|
REISEBERICHT
GUATEMALA
|
|
#GUATEMALA – Land des ewigen Frühlings
12.01. bis 23.01.04 31.150 bis 32.200 km
GUATEMALA – Land des ewigen Frühlings
Wir verlassen das kleine, liebenswerte Belize und bringen die lästigen Grenzformalitäten in einer Stunde hinter uns. Ausreisegebühr, Rädersprühen, Autoeinreise und Brückenzoll summieren sich auf etwa 50 US Dollar Guatemala begrüßt uns mit einer der schlimmsten Straßen, die wir auf unserer bisherigen Reise erleben durften. 25 km quäle ich unser WOMO, meist im ersten Gang, über Stock und Stein. Auf Asphalt erreichen wir am Nachmittag den Nationalpark Tikal. Im Reiseführer steht: „Wo Menschen in Massen auftreten, ist es eine Kunst, dem Mysterium einer so großartigen Ruinenstadt nahe zu kommen“. Wir erleben glücklicherweise einen ruhigen Tikal-Tag. Mitten im Urwald ragen die steilen Tempelspitzen heraus. Begleitet wird der Gang durch die Mayastadt von Vogelstimmen, lautstarkem Affengebrüll und neugierig dreinschauenden Nasenbären. Tikal, der Ort ,an dem Geisterstimmen ertönen, kontrollierte weite Teile des Landes. Um 400 n. Chr. hatte Tikal seine größte Blütenzeit, ehe es um 900 n.Chr. verlassen wurde. Wir tauchen in eine faszinierende Mayawelt ein, sind beeindruckt und erklimmen so manchen Tempel. Die Fernsicht in den Urwald ist atemberaubend. Über die kleine Inselstadt Flores erreichen wir die von vielen geschätzte Finca Ixobel. Wir genießen die Ruhe und das herausragende Essen. Doch bald geht es weiter Richtung Süden. In Rio Dulce befindet sich das einzige Fort Guatemalas, traumhaft am Lago Izabal gelegen. Auf der Carretera Atlantico finden wir hinter Bananenplantagen das Ausgrabungsgelände von Quirigua. Gigantische Stelen (bis zu 10,6 Meter) berichten von der Erschaffung des Universums, vom Weltenbaum und von zahlreichen Herrschern. Wir biegen ab in das Valle Escondido. Nach einem Bad im Pool kann ich mich einem Mückenangriff nicht erwehren und zähle anschließend 22 Stiche. Auf unserer Fahrt nach Coban durchqueren wir Verapaz. Auf der Suche nach dem Nationalvogel „Quetzal“ besuchen wir ein Biotop. Leider zeigt sich der scheue Vogel mit seiner langen Schwanzfeder nicht. Aber die tropische Vegetation entschädigt uns. In Coban parken wir zwei Tage auf einem Parkplatz einer Einkaufsmall. Wir besteigen die Stufen der Kirche „Calvario“ und verweilen im „Cafe el Tirol“. Auf einer steilen, steinigen „Straße“ bringe ich WOMO mal wieder an seine Grenze. Bei einer deutschstämmigen Familie gedeihen rund 5000 Pflanzen, hauptsächlich Orchideen, darunter auch die Nationalblume „Monja Blanca“. Mit Bus und Pickup erreichen wir das hinter Lanquin liegende Semuc-Champey. Nur eine schlammige Piste führt hier her. Ziel ist die 300 Meter lange Kalksteinbrücke mit ihren vielen Sinterterrassen. Wir befinden uns in traumhafter Landschaft, am Ende der Welt. Leider habe ich keine Badehose dabei, denn das Wasser ist erstaunlich warm. Zurück in Coban werden wir in der Nacht von der Polizei geweckt. Die Passnummer wird notiert, und wir sollen doch bitte morgen in der Früh weiterfahren. Im Pokomchi-Dorf Tactic pilgern wir zur Kapelle, oberhalb des Ortes. Leider müssen wir unseren Plan, durch das Bergland zu fahren (so kann Guatemala City umfahren werden), in Salama ändern. Wir erfahren, dass die Straßen im Hochland nur mit Pickup zu befahren sind. Also wieder zurück bis El Rancho und auf der LKW-Straße Richtung Guatemala „Hölle“. Nach einer unruhigen Nacht an einer Raststätte ist die Hauptstadt in einer Stunde durchquert. Gegen Mittag erreichen wir das bezaubernde Antigua, wo am Montag unser Spanisch-Kurs beginnt. A n d r e a s
24.01. bis 23.02.04 32.200 bis 32.450 km
Antigua liegt auf 1.530 m Höhe, und seit wir hier sind, nämlich schon seit drei Wochen, strahlt die Sonne unendlich auf uns runter. Es ist nicht heiß, es ist eine angenehme Frühlingstemperatur von ca. 22 Grad. Wir besuchen seit drei Wochen einen Spanischkurs und wohnen bei einer Familie. Die Familie besteht aus „Mama Anna“ (77 J.) der „Häuptling“ der Familie, „Araseli“ (55 J.) Tochter von „Mama Anna“, die uns täglich mit 3 Mahlzeiten versorgt, „Liz“ Tochter von „Araseli“ mit Tochter „Paula“ und Baby „Anna-Laura“ (10 Monate)….usw. Es ist eine sehr große Familie. In der ersten Woche wohnten hier noch 5 junge quirlige Norwegerinnen. Seit sie weg sind,ist der Geräuschpegel auf normal gesunken. Die Schule fängt jede Nacht um 8:30 Uhr an, für andere Nachtschwärmer schon früher. Unser Lehrer „Rolando“ (43 J.) gibt sich die allergrößte Mühe, und er erklärt uns mit Engelsgeduld, wie alles sein sollte. Uns kommt es trotzdem alles Spanisch vor. In der ersten Woche versuchte Andi seine hart erlernten Vokabeln in die Praxis umzusetzen, daß war ungefähr so: („Was kostet es?“ – „Quanto questa?“): Andi: „K k k kwesta Quantiii?“, der Verkäufer sah Andi genervt an und dachte sich wahrscheinlich: „Ach nee, nicht schon wieder ein Zahnpasta Vertreter“. Mama Anna fiel fast vom Stuhl, als Andi zu ihr sagte: „Viel Schnee, heute“. Genauso ernst wie Baby „Anna-Laura“ in den komischen Kasten schaute (Fernseher) und austestete,wie jetzt nun eigentlich die Leute da reinkommen, genauso schaute Andi tagtäglich in sein Heft mit den verschiedenen Zeiten. Wieso ist das jetzt so?? (Grübel, grübel) Ja, ja, der Andi. Aber in der zweiten und dritten Woche ging es dann schon viel besser. Die Kinder rannten nicht mehr weinend weg, und die Supermärkte und Restaurants blieben geöffnet, wenn sie Andi sahen. Aber wir lernten nicht nur sondern machten auch bei einigen Aktivitäten mit. Wir besuchten ein Café-Museum mit Plantage, ein Museum für Trachten der Regionen, ein Museum der einheimischen Musikinstrumente (u.a. Marimba), eine Macadamia Nussfarm, sowie zahlreiche Kirchen und Ruinen in und um Antigua. Zu Guterletzt stiegen wir mit einer „geführten“ Gruppe auf den aktiven Vulkan „Pacaya“ (2.552 m). Leider spielte das Wetter nicht mit. Rund um den Gipfel stürmte es, und vor lauter Wolken sah man rein gar nichts, erst beim Rückweg. Soviel Stress erfordert viel Stärkung. Es gibt z.B. ein Café, das über 20 verschiedene Torten und Gebäck anbietet, ich habe sie alle getestet und für sehr kalorienreich und lecker befunden. Auch die Käsespätzle im „Bavaria“ waren sehr gut. Schweinebraten mit Sauerkraut war anscheinend nicht so toll (fragt Andi auf dem Klo). Das Weißbier konnte ich leider nicht testen, es war zu teuer (7,50 Dollar). Toll, ist auch das Café „Charlotte“. Es bietet jeden Sonn -und Mittwochabend einen Kinofilm an, auf Deutsch! Eintritt frei! Aber das ist noch nicht alles, Hartmut, der Besitzer des Cafés, legt die neuesten Nachrichten und deutsche Klatsch -und Tratschzeitungen aus. Sogar der „Spiegel“ liegt aus. Gelesene deutsche Bücher kann man gegen einen kleinen Betrag kaufen oder tauschen. Was aber das allerbeste ist: Es gibt echtes (!), von einem Schweizer, gebackenen Vollkornbrot (mhm,mhm,mhm). Für Langzeitreisende, die sich sonst mit „Pappbrot“ begnügen müssen, ein purer Genuss. Überrascht wurden wir dann in der dritten Woche. Als wir gerade durch Antigua gingen und unseren Gedanken nachhingen, staunten wir nicht schlecht ,als ein blaues Auto, mit Augsburger Kennzeichen, uns entgegen schwebte. Es waren Susanne und Michel (nicht: Michelle, sorry). Die beiden die wir in Mexiko (Xpuh-Ha) getroffen haben. Die Welt kann ja so klein sein und manchmal so groß. Sie übernachteten bei unserer Gastfamilie im Garten. Nach vier Nächten, einem „Nutella-Mittelamerikabuch-Tausch“ und viel „Kikiriki“ am frühen Morgen ging ihre Reise weiter. Am vorletzten Tag trafen wir in Antigua wieder auf zwei „alte“ Gesichter. Esther und Petr aus der Schweiz. Nach einem schönen Abend im „Fridas“ fuhren sie am nächsten Tag weiter nach Chichicastenango und wir zum Atitlan See. Laut unserer Gastfamilie und anderen Reisenden kommt es in Antigua häufig zu Raubüberfällen und aufgebrochenen Autos. Trotz dieser Geschichten fiel es uns schwer, daran zu glauben. Wir haben uns nie richtig unsicher gefühlt, und unser Auto war ja auch ständig bewacht (von Mama Anna und Baby Anna-Laura!). Wir haben uns in Antigua richtig gut gefühlt. Angst hatte ich eigentlich nur bei dem netten uniformierten Herrn mit Waffe, der die Bank bewachte. Seine Waffe hing lässig wie eine Gitarre um den Hals. Ich fragte ihn etwas, und er hielt mir aus versehen (!) den Lauf der Waffe vor dem Bauch. Ich sah schon die Schlagzeile: „Touristen versehentlich (!) erschossen“, Peng und weg. Mama Mia, meine Nerven. Zum Glück habe ich die „Klosterfrau“ dabei, die beruhigt.
Atitlan See
In Panajachel, der touristische Ort am See, stellen wir uns auf einen bewachten Parkplatz, direkt in der Stadtmitte. Hier können wir ruhig und sicher übernachten, für 20 Quetzales (2,5 Dollar) pro Nacht. Panajachel ist schnell besichtigt, also fuhren wir mit dem Boot nach…
Santiago de Atitlan
Gleich bei der Ankunft empfängt uns am Bootsanleger der österreichische, verstorbene Sänger „Falco“. Doch! Ist wahr! Er kam natürlich aus den Musikboxen vom anderen Schiff und sang lauthals: „Der Kommissar geht um….“ In der ersten Sekunde dachte ich, wo bin ich jetzt schon wieder gelandet? Später stellte sich heraus, daß Santiago de Atitlan eigentlich sehr ursprünglich ist. Viele Männer und Frauen zeigen ihre alltäglichen Trachten. Zurück in Panajachel gehen wir zu Horst, einem deutschen Automechaniker. Dort lassen wir an „Speedy“ den Kundendienst machen. Horst, der schon seit vier Jahren hier ist, erzählt uns ein wenig über das Land. Nächstes Jahr hört er auf und will nur noch mit dem Wohnmobil durch die Weltgeschichte reisen. Seine idyllische Werkstatt zwischen Palmen wird er aufgeben. Unserem Auto fehlte zum Glück nichts.
San Pedro
Um nach San Pedro zu gelangen, mussten wir auf ein kleines Motorboot. Es gibt zwar eine „Straße“, aber für unser Mobil nicht machbar. Der See zeigte sich anfangs von seiner ruhigen Seite, aber später wurde es ziemlich stürmisch und somit sehr wackelig. Die kleine Nußschale kämpfte gegen die Wellen an. Blöd, daß wir kein Shampoo dabei hatten, die kalte Dusche gab es nämlich gratis. Ich musste mich stark festhalten, damit ich nicht über Bord fiel. Aber das war ja noch gar nichts, gegen das was uns auf der Rückfahrt erwartete. An Land empfingen uns gleich die verschiedenen Anbieter. Andi wurde eine Reittour angeboten und mir Drogen(!). Ich musste ja ziemlich fertig und abgekämpft ausgesehen haben, daß man mir gleich Drogen verkaufen wollte. Mit einem lässigen „No, gracias“ torkelte ich (meine Beine waren noch ganz wackelig) ins nächste Café. Wieder gestärkt, besichtigten wir den kleinen, netten Ort. Eigentlich wollten wir ja noch den Vulkan San Pedro besteigen, aber uns wurde von verschiedenen Seiten dringend abgeraten. Erst kürzlich sind zwei Franzosen spurlos verschwunden, und letzte Woche wurde eine Schulklasse überfallen. Da Andi leider sein „Supermann T-Shirt“ zu Hause vergessen hatte, ließen wir es lieber bleiben.
Titanic – Tragödie auf dem Atitlan See
Titanic, so hieß unser Boot und es war so passend. Es war sehr stürmisch und „eine Seefahrt die ist lustig…“ konnten wir schon lange nicht mehr singen. Andi und ich saßen ganz vorne. Es war ein kleines Holzmotorboot, und es kämpfte gegen die Wellen an. Der Bootsfahrer gab Vollgas und wie Don Johnson bei „Miami Vice“ fuhren wir über den See. Der vordere Teil ging bei jeder Welle hoch und klatschte auf das Wasser. Wasser so hart wie Beton. Unsere arme Bandscheibe. Mitten auf den See zwangen (!) wir den Bootsfahrer anzuhalten, damit wir die Plätze wechseln konnten. Der war am Meckern. Hinten war es wesentlich besser. Wieder an Land, schlichen wir uns mit letzter Kraft in eine Pizzeria und schluckten diesmal Bier statt Wasser.
Chichicastenango
Natürlich mussten auch wir den berühmten Markt in Chichicastenango besuchen. „Speedy“ fuhr brav, im ersten Gang, die steilen Straßen nach „Chichi“ hoch. Das Örtchen liegt nämlich auf über 2.000 Meter. Übernachtet haben wir mal wieder an einer Tankstelle im Ort, damit wir gleich in der Früh den Markt besuchen können. Der große, bunte Markt ist schon sehenswert. Andi war ständig am Fluchen, weil er so viele gute Fotomotive vor die Linse bekam, und er mal wieder nur einen Film dabei hatte. Typisch! Also mussten wir zum Auto und wechseln. Es gibt auf den Markt wunderschöne Sachen, wie z.B. Holzmasken, Tischtücher, Holzfiguren… Ich kam dabei auch in den Kaufrausch und kaufte Sachen was „Frau“ eben halt so braucht (oder auch nicht braucht). Wir besuchten auch die Kirche am Markt, aber vor lauter Weihrauch sah man das Innere der Kirche kaum (keuch, hüstel, hüstel, keuch). Frohgelaunt (Andi: „Heute habe ich gute brauchbare Fotos gemacht“ ; Michi: „Endlich habe ich das Haarband,was ich schon immer haben wollte“) fuhren wir zurück nach Antigua. In Antigua holten wir endlich den sehnsüchtig erwarteten Brief mit unseren neuen EC-Karten ab. Ihr wisst ja noch damals in Chitzen Itza…… Vor lauter Freude holte ich mir ein Luxusprodukt: Rittersport Vollmilch, für „nur schlappe“ 4 Dollar. Man gönnt sich ja sonst nichts. Am Sonntag geht´s weiter nach Honduras. Wir sind schon sehr gespannt auf das neue Land. Tschüß, Guatemala - wir kommen wieder! M I C H A E L A
. |