REISEBERICHT ECUADOR

 

#VIELSEITIGES ECUADOR

#AUF DER STRASSE DER VULKANE

#Südamerika - Wir kommen

 

 

 

 

07.04. bis 28.04.04                                                                 35.400 bis 35.700 km

 

Südamerika - Wir kommen

 

Wunderschönes Quito

Nach einem turbulenten Flug sind wir gut in der Hauptstadt Ecuadors in Quito gelandet. Wir suchten uns ein schönes Hotel in der Altstadt (Hotel Viena Internacional, 20 Dollar), bevor wir mit der Stadtbesichtigung anfingen.

Quito, die zweitgrößte Stadt des Landes (ca. 1,5 Mio Einw.), liegt auf ca. 2850 m und hat eine schöne Altstadt mit vielen prunkvollen Kirchen. Nachdem wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Quitos besichtigt hatten, gingen wir in eine Agentur (Metropolitan Touring) und buchten eine Tour auf die Galapagos Inseln. Trotz der hohen Kosten (obwohl Sonderpreis!) konnten wir nicht darauf verzichten.

Am Karfreitag schauten wir uns die Osterprozession an, die allerdings weniger spektakulär ist, es ging hier sehr ruhig und gediegen zu.

Am nächsten Tag ging es per Bus zum „Mitad del Mundo“ in San Antonio (ca. 22 km nördlich von Quito). Das berühmte Denkmal „Mitad del Mundo“ („Mitte der Welt“) steht direkt „auf“ dem Äquator. Klar schossen auch wir hier einige Erinnerungsfotos. Klick, klick, klick. Zurück in Quito besuchten wir noch die Neustadt, die vor allem aus Hochhäusern, guten Restaurants, Hotels und Banken besteht.

Vier ganze Tage waren wir in Quito, dann ging es per Bus nach Esmeraldas, wo wir unser Auto sehnsüchtig erwarteten.

Esmeraldas – „Speedy“ wartet auf uns

In Esmeraldas gingen wir wieder in ein Hotel. Hier, an der Küste, war es viel wärmer und die Bevölkerung bestand hauptsächlich aus dunkelhäutigen Menschen.

Unsere Neugierde war so groß, daß wir sofort zum Hafen liefen (5 Min.) um nach unserem Auto zu schauen. Erst sahen wir es nicht, aber dann war die Freude groß, als wir alle Autos unbeschädigt auf dem Parkplatz sahen. Weil Sonntag war, mussten wir noch ein Tag warten, bis wir es aus dem Hafen rausholen konnten. Am nächsten Tag gingen wir gleich um 8:00 Uhr zum Zoll, und nach nur 8 Stunden konnten wir unser Auto aus dem Hafen raus fahren. Die Beamten waren zwar alle nett, aber eine Schnecke hätte es schneller erledigt. Warum es so lange gedauert hatte? Das hat verschiedene Gründe, z.B. bis alle Leute „eingeflogen“ waren, die nur dieses oder jenes Papier unterschreiben durften (solange hieß es warten) oder weil irgend so ein unglaublich wichtiges Dokument fehlte, was der andere Kollege aus Versehen wieder mitgenommen hatte. Man bekommt manchmal große Lust, in diese chaotische Materie ein System rein zu bringen (wenigstens nur ein kleines Stück). Wir sind eben anders gestrickt, und es fällt manchmal schwer, einfach nur zu sagen: „Es ist eben so“. Aber trotz der lästigen Warterei können wir sagen, es ist alles gut verlaufen, und wir mussten keinen Pfennig mehr zahlen. Keine Hafengebühr, gar nichts.

Weil es schon zu spät zum Weiterfahren war, blieben wir eine Nacht vor den Pforten des Hafengeländes.

Am nächsten Tag ging es weiter über Santo Domingo zur Hosteria „Sommergarten“ in Sangolqui (ca. 25 km von Quito), wo wir eigentlich bleiben wollten. Aber leider passten wir nicht in die Hofeinfahrt, selbst das Luft rauslassen aus den Reifen brachte nichts, wir waren zu hoch, bzw. der runde Torbogen der Einfahrt zu niedrig. Also fuhren wir 2 km weiter zur Hosteria „Carriona“. Hier war Platz genug, und wir standen sicher. Hier ließen wir auch unser Auto für die Woche stehen, wo wir auf Galapagos weilten.

Paradies Galapagos

Es fing zwei Tage vorher an. Ich bekam Durchfall. Prima! Mit „Imodium Akut“ stopfte ich mich voll, aber es half leider nichts. Zum Glück habe ich nichts mehr gegessen, so gab mein Darm ein wenig Ruhe. Der Flugtag war Horror pur. In der Früh hieß es erstmal noch mal schnell auf´s Klo. „Stunden“ später fuhren wir mit dem Taxi zum Flughafen (ca. 20 km). Leider verfuhr sich unser Taxifahrer, und er musste dreimal nachfragen, wo es denn jetzt eigentlich zum Flughafen ging. Da wir schon sehr spät dran waren, weil wir nämlich noch im Stau standen, nahmen wir kurzer Hand ein anderes Taxi. Das fuhr uns so schnell es ging zum Flughafen. Der nächste Schock kam dann, als wir unsere Tickets abholen wollten und der nette Mann am Schalter mein Ticket nicht fand. Dann hat sich aber doch noch alles geregelt und bevor wir in den Flieger einstiegen, hielt ich noch mal „schnell“ eine Sitzung. Im Flieger versuchte ich es mit Meditation, um meinen Magen zu stillen. In Galapagos wurden wir abgeholt, und per Schlauchboot ging es zu „unserem“ Traumschiff „Santa Cruz“. An Bord wurden wir erstmal mit einem Begrüßungsgetränk von der netten Crew begrüßt. Ich war keine 10 Minuten an Bord, und schon ging ich zur Schiffsärztin. Nicht nur wegen meinem Darm, nein, ich wollte Tabletten gegen Seekrankheit. Aber es war schon zu spät. Ich konnte sie gerade noch begrüßen, und schon schaute ich mir die Kloschüssel von innen an. Sie versorgte mich gleich mit Tabletten und schickte mich ins Bett. Wir hatten eine sehr schöne „Junior-Suite“ mit Fenster bis zum Boden. Obwohl wir ein großes Schiff hatten (86 Personen) und die See ruhig war, wurde mir übel. Andi machte in der Zeit zusammen mit den anderen den ersten Landgang zum „Playa Ochoa“ auf der Insel San Cristobal und später eine Bootsfahrt entlang der Insel Lobos. Abends ging es mir ein wenig besser, und ich saß im schönen Speisesaal vor einer Tomatensuppe. Nach den ersten drei Löffeln musste ich mich dann leider wieder verabschieden. Schade! Es gab so leckere Sachen (5 Gänge). Am nächsten Morgen wurden wir um 6:30 geweckt. Um 7:00 Uhr gab es Frühstück. Für mich gab es trockenes Brot, was dann 5 Minuten später wieder raus kam. Ich werde auf einem Luxusschiff verhungern, dachte ich. Um 7:45 Uhr gab es für die erste Gruppe den ersten Landgang zur Insel Bartolomé. Die Gäste wurden in Gruppen eingeteilt. Wir gehörten zur Gruppe „Albatros“ (12 Leute) mit einer deutsch sprechenden  Führerin Rocio. Den Landgang konnte ich dann halbtot, halblebend, mitmachen. Es war sehr heiß. Die Insel besteht aus einer faszinierenden Mondlandschaft mit traumhaften Stränden. Wir gingen einen kleinen Hügel hinauf, wo wir eine tolle Aussicht auf das Lavagestein genießen konnten. Dort entdeckte Andi zusammen mit Inga die seltenen „Pelzkakteen“ (?!?), die nur Leute mit einer bestimmten Fähigkeit sehen können (grins). Unsere lustige Tischnachbarin Inga ist eine erfahrene ältere Frau, die als Rucksackreisende schon über 1,5 Jahre um die Welt reist und noch bis September weiter machen will, ganz allein. Sie muss zurück, weil da ihre Zwillinge Geburtstag haben. Wir finden es einfach toll, mach weiter so Inga!

Während Andi und die anderen zum Schnorcheln gingen (ich war einfach zu schwach dazu), machte ich eine Glasbodenboot-Tour, von wo ich auch einige Fisch`le und Seesternchen sehen konnte. Die Fahrt ging dann weiter zur Insel Santiago, zum Puerto Egas, wo wir wieder einen Landgang hatten.

Abends konnte ich ein wenig mitschlemmen.

Am nächsten Tag das gleiche Spiel, um 6:30 Uhr kam der Weckruf. Um 8:00 Uhr der erste Landgang zur Insel Genovesa. Die Insel ist ein Vogelparadies.

Hier leben u.a. auch die Blaufußtölpel (blaue Füße) und die Fregatten. Die Fregattenmännchen blasen bei der Balz ihren roten Kehlsack wie einen Luftballon auf, um den Damen zu imponieren.

Die Damen suchen sich dann ein Männchen aus, die anderen gehen leider leer aus und müssen es ein anderes Mal wieder probieren. Bei den Tölpeln pfeift das Männchen mit offenen Flügeln seine Angebetete an. Sie sucht sich das Männchen aus. Beim Eier ausbrüten wechseln sie sich dann beide ab.

Die Tiere auf den Inseln haben überhaupt keine Scheu. Man könnte sie theoretisch streicheln, was man natürlich auf keinen Fall machen soll. Man könnte die Tiere stundenlang beobachten, man entdeckt immer wieder neue witzige Sachen.

Ein Blaufußtölpel, der seiner Geliebten ein Stöckchen schenken will, sie darauf aber arrogant den Kopf wegdreht, so leicht ist sie dann doch nicht zu haben. Ein neugieriges Seelöwenbaby, was die Welt erkundet oder das seiner Mutter hinterher läuft, weil es Hunger hat. Seelöwen, die neugierig um einen schwimmen oder Wellenreiten machen. Ein mächtiger Seelöwenbulle, der einen anderen verscheucht, weil er in sein Revier eingetreten ist. Meerechsen, die ihre Babys auf den Rücken tragen. Kurz gesagt, die Inseln sind hautnahe Tierfilme.

Am nächsten Tag waren wir dann auf der Insel Nord-Seymour, wo wir u.a. Pelzrobben und zwei Wasserschildkröten sahen.

Am letzten Abend im Speisesaal konnte ich sogar alle Gänge mitessen, was den Kellner völlig verwirrte.

In der Frühe hieß es dann Koffer packen, und schon ging es wieder zum Land, was mich besonders freute. Wir waren auf der Insel Santa Cruz, um die letzte Station unserer Reise zu erleben. Die Charles Darwin Forschungsstation für Riesenschildkröten, wo wir auch den einsamen „Georg“ sahen. Die Schildkröte, für die unbedingt eine passende Frau gesucht werden muss, sonst wird diese Art Rasse aussterben. Viel Glück !!!

An Land war ich immer noch seekrank. Bei mir drehte sich alles. Wir machten einen kleinen Gang durch die Stadt und relaxten in unserem Hotel Palmeras (42 Dollar), wo wir 2 Tage blieben, um uns von dem ganzen Stress und dem Erlebten zu erholen.

Wir machten am nächsten Tag eine Wanderung zum „Media Luna“, ein erloschener Vulkankrater. Anschließend besuchten wir in dem Ort Bella Vista den 1 km langen Lavatunnel. Wollten wir eigentlich! Ich blieb ganz draußen, und Andi schaffte es, einen kurzen Blick rein zu werfen. Dieser Felstunnel ist nur mit Taschenlampe zu begehen, er ist nicht beleuchtet. Wir waren die Einzigsten, und selbst der Kassierer weigerte sich, uns zu leiten. Er drückte Andi eine „Funzel“ in die Hand und erklärte auf einer Tafel den Weg. Ich weigerte mich durch diesen langen, dunklen Tunnel zu laufen. Andi ging rein, kam aber gleich wieder zurück. Ganz allein ist es doch ziemlich unheimlich.  

Den nächsten Tag gingen wir ruhiger an. Wir gingen den 2,5 km langen Weg zur „Tortuga Bay“. Das ist der schönste Strand, den ich je gesehen habe. Das Meer ist nicht so gut zum Baden geeignet, sondern eher zum Surfen, aber der lange, weiße Strand ist wie Mehl unter den Füßen. 1 km weiter kommt man zu einer wunderschön gelegenen Badebucht, ebenfalls mit weißem Sandstrand. Hier relaxten wir erstmal.

Für Interessierte hier noch mal die Liste mit den Tieren, die wir gesehen haben:

Meeresschildkröten, Seelöwen, Seebären, Meerechsen, Rote Klippenkrabben, Lavamöwen, Gabelschwanzmöwe, Rot- und Blaufußtölpel, Nazcatölpel, Binden- und Prachtfregatten, Reiher, Finken, Spottdrossel, Landleguane, Riesenschildkröten,

Pinguine, Pelzrobben, Lavaechsen, Geckos, Braunpelikane, Austernfischer, bunte Fisch´le, Seesternchen ,und schließlich sahen wir bei der Rettungsübung an Bord („alle Mann an Deck“) zwei Bruderwale, allerdings zu weit weg, um sie zu fotografieren. Flossen von Delphinen sah Andi, als ich halbtot in meiner Kabine lag. Wir sind uns beide einig, dass es sich gelohnt hat, obwohl es mir zeitweise schlecht ging.

Am Abflugtag sang ich dann bei meiner Morgentoilette „Guten Morgen liebe Sorgen, seid ihr auch schon wieder da, habt ihr auch so gut geschlafen, na dann ist ja alles klar.“ Durchfall ! Schon wieder ! Andi (auch „Dr. Ekel“ genannt) meinte, es wäre alles nur psychisch, es wäre die Flugangst. Gut, wenn er meint (Besserwisser)……..

Der Flug war für mich schlimm, mir war schlecht, mein Darm meldete sich, es gab viele Turbulenzen, und irgendwie wollte ich mich nur noch unter die Bettdecke verkriechen. Am Flughafen trafen wir „Harry“ mit seiner Frau, der mit seinem großen amerikanischen Wohnmobil unterwegs ist und der ebenfalls an „unserem“ Hotel steht (wir haben zusammen verschifft). Sie kommen auch gerade von Galapagos zurück, so ein Zufall. Wieder glücklich in unserem „Heim“ angekommen, machte uns die Klimaumstellung und die dünne Luft zu schaffen. Vom Meer und der Hitze, ins kalte Quito auf 2850 Meter. Komischerweise hatte ich Durchfall, wie jetzt (?), ich muss doch gar nicht mehr fliegen.

Am nächsten Tag vermuteten wir, dass ich Tiere im Bauch haben muss, Parasiten, Amöben oder so was. Andi besorgte mir ein entsprechendes Mittel aus der Apotheke, jetzt geht gar nichts mehr. (Schluchz, heul…)                  M I C H A E L A

 

 

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29.04. bis 15.05.04                                                                 35.700 bis 36.200 km

 

AUF DER STRASSE DER VULKANE

 

 

Iliniza´s

 

Kaum verlassen wir die Panamerikana, werden wir auf der unbefestigten Piste heftig durchgeschüttelt. Wir nähern uns den Zwillingsvulkanen Iliniza Nord (5126 m) und Iliniza Süd (5248 m). Auf 3400 m dürfen wir bei einer Bauernfamilie unser trautes Heim abstellen. Ein Schwein hängt am Balken, Kinder spielen mit leeren Flaschen, Bauern kommen von der Feldarbeit.

Am Morgen fährt uns der Bauer nicht (wie vereinbart) zur Marienstatue auf 3800 m. Wir steigen 700 m Richtung Refugio, zwischen den beiden Iliniza´s gelegen. Unser Blick schweift auf eine tolle Landschaft, die geprägt ist von hügeligen Wiesen und hochgebirgigen Vulkanen. Erstaunlicherweise steigen wir auf über 4000 m auf sandigem Pfad. Wieder zurück, quäle ich WOMO bis zur Panamerikana, wo wir ein „ruhiges“ Plätzchen finden. Um 20 Uhr steht ein älterer Mann mit Taschenlampe und einigen (ängstlich blickenden) Frauen vor unserem Auto. Ich erkläre, dass wir morgen weiterfahren und nur harmlose „Touris“ sind. Beruhigt ziehen sie davon.

Wir erreichen die historische Hosteria „La Cienega“, wo schon vor über 200 Jahren Alexander von Humboldt auf seiner Südamerikareise weilte. Am Abend esse ich ein wirklich tolles Steak. Leider hat Michi wieder Durchfall. Morgen wird sie vom Arzt in Lasso Tabletten gegen Bakterien bekommen (die dann endlich helfen werden).

Cotopaxi

Auch hier holpern wir 15 km bis zur paradiesisch gelegenen Lagune „Limpiopungo“ auf 3800 m. Der höchste Vulkan der Erde zeigt sich verhüllt. Doch dann ziehen die Wolken, und der Cotopaxi steht in seiner ganzen Pracht vor uns. Wir sind überwältigt von der gleichmäßig geformten Pyramide aus Eis mit der schwarzen Felswand unterhalb des Gipfels, wo sich wegen des vulkanischen Ursprungs kein Eis halten kann. WOMO wird so geparkt, dass wir vom „Wohnzimmerfenster“ den Vulkan der Vulkane betrachten können. Immer wieder öffnen wir das Fenster, um noch bessere Aufnahmen zu schießen.

Am nächsten Morgen kommen wir nur 2 km weit. Dann sehen wir, dass wir unser Auto nicht bis zum Parkplatz auf 4600 m quälen können. Eine „Biking-Gruppe“ nimmt uns mit. 200 m steigen  wir und sitzen (auf Mount Blanc Höhe) im Refugio „Jose Ribas“ und blicken bei Traumwetter auf den 5897 m hohen Gipfel des Cotopaxi. Wir gehen zum Gletscherfuß und sehen die Eislandschaft, die sich erst am Gipfel zu verlieren scheint.

Mit Helga aus Wien steigen wir ab und werden zu unserem Auto gebracht, Danke.

Noch einmal verbringen wir eine Nacht an der Traumlagune am Fuße des Cotopaxi.

In der Früh regnet es. Die Heizung funktioniert zum Glück. Frühstück, Spaziergang um die Lagune, Rückfahrt. Ziel Saquisili, wo morgen ein bekannter Indiomarkt stattfindet.

Saquisili und Quilotoa

Wieder finden wir Unterschlupf bei der Hosteria „Rancho Muller“. Dieter Müller aus Hamburg lebt seit 25 Jahren in Ecuador. Mit seiner ecuadorianischen Frau Rosa hat er so manches aufgebaut und einiges für Land und Leute getan, entsprechende Ehre gebührt den Beiden.

Donnerstags wandelt sich der kleine Ort in ein quirliges, farbenfrohes Marktgeschehen, wo die Indios ihre bunten Trachten tragen. Die Plätze und Straßen dienen ihnen, um Waren von Haushalt über Kunsthandwerk bis hin zu Bekleidung und Lebensmitteln den Bewohnern der Region anzubieten. Ich suche nach „ruhigen“ Plätzen, um zu fotografieren. Schnell ist der Film voll, bei diesen fotogenen Menschen kein Wunder.

Am nächsten Tag fahren wir mit Dieter´s Tochter Renate zur Lagune „Quilotoa“, einer der wenigen aktiven Kraterseen der Erde. Nach einer 3-stündigen Fahrt erreichen wir den Kraterrand (3914 m) und blicken auf den 400 m tiefer liegenden, grünlich schimmernden Kratersee. Leichtsinnigerweise steigen wir hinab und fahren mit einem kleinen Tretboot auf dem See (zum Glück „meldet“ sich der Vulkan nicht). Der Aufstieg auf dem sandigen Boden lässt uns den Schweiß aus den Poren treiben.

Chimborazo

Über Ambato fahren wir zum höchsten Berg (der Welt, da sein Gipfel am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist) Ecuadors (6310 m). Und wieder treibe ich WOMO auf 4500 m. Vicugnas kreuzen die Piste. Es wird die höchste Nacht bisher.

Prachtvoll präsentiert sich am Morgen das gigantische Massiv des Chimborazo. Wieder erleben wir einen Traumtag bei absolutem Traumwetter. 300 m steigen wir zum Refugio „Carrel“ (bis dort kann man fahren), weitere 200 m zum Refugio „Whymper“. Um die 5000 m ganz sicher zu knacken, steigen wir noch 100 m auf einen „Schneehügel“ – Michi`s erster Fünftausender! Prachtvolle Hochgebirgs-Landschaft umgibt uns. Wir steigen ab und bleiben noch eine Nacht. Ich bekomme Kopfschmerzen, ja ja die Höhe.

Nach mühevollem Anspringen des Motors (Höhe), geht es über Riobamba zurück zur Hosteria „La Cienega“. Der Kreis um den Chimborazo ist geschlossen.

Cotopaxi Gipfelversuch

Mit Guide Flavio, 34 Jahre, aus Quito will ich versuchen den Gipfel des Cotopaxi zu erreichen. Auf bekanntem Wege geht es bis zum Refugio „Jose Ribas“, Wetter gut.

Um Mitternacht werde ich geweckt (war schon wach). Ein kurzer Tee mit Brot, Eisausrüstung (warme Kleidung, Plastikschuhe, Klettergurt, Steigeisen, Pickel, Stirnlampe, Seil) wird zusammengesucht – alles sitzt. Um 1 Uhr treten wir

(8 Bergsteiger) in die sternenklare, kalte, windige Nacht. 2 km unter mir flimmert Quito. Der Gletscher am Cotopaxi leuchtet. Nun zeigt sich, ob meine Höhenanpassung ausreicht, für fast 6000 m.

Eine Stunde steigen wir über Schutt bis zum Gletscher. Ich habe Probleme mit meiner alten Ausrüstung: Sitzgurt rutscht, ich verliere ständig das rechte Steigeisen. Flavio hilft mir. Unbarmherzig steil steigen wir Schritt für Schritt Richtung Gipfel. Von Anfang an zehrt das 35 Grad steile Eisgelände an meinem Konditionspensum. Im Schein der Stirnlampe schnaufe ich mich durch die Nacht. Nach 5 Stunden geht endlich die Sonne auf.

Flavio und ich stehen auf 5500 m, 400 m unterhalb des Gipfels. Schwer wie ein Stein lass ich mich fallen. Die Morgenstimmung entschädigt für alles. Aus dem Wolkenmeer tauchen zahlreiche Bergspitzen, wie Iliniza`s, Ruminahui, Cayambe, Antisana fast schwerelos heraus. Ich blicke auf die Eislandschaft des Gipfelaufbaus und ernenne diesen Platz als meinen persönlichen „Cotopaxi-Gipfel“. Zu sehr hat die Steilheit an meinen Kräften gezehrt.

Um 9 Uhr sitze ich wieder im Refugio, trinke einen heißen Tee und bin schon ein wenig stolz auf das Erreichte. Zwei Stunden später liege ich müde auf meinem Bett (in dem Michi sich vor lauter Sorge die Nacht um die Ohren geschlagen hat) und erzähle ihr von meinem tollen Bergerlebnis, auch ohne Gipfelerfolg.

Morgen schreibe ich diesen Reisebericht, dann geht es weiter durch dieses tolle Land, Richtung Süden.                                                                   A N D R E A S     

 

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16.05. bis 03.06.04                                                                 36.200 bis 37.500 km

 

VIELSEITIGES ECUADOR

 

Ba ň os de Agua Santa

Zum Glück bin ich Dank „Bactrim Forte“(30 Tabletten) wieder ganz hergestellt.

Wir sind über Ambato, Salasaca hinab nach Ba ň os gefahren. Ba ň os liegt auf

1.800 m, am Fuße des aktiven Vulkans Tungurahua (5.016 m). Es nieselt und somit bleibt uns der Anblick des Vulkans verwehrt. In Ba ň os stellen wir uns in einer stillen Seitenstraße zum Übernachten hin.

Am nächsten Tag machen wir eine ausgiebige Stadtbesichtigung und essen abends eine gute Pizza. Hier gibt es einige Restaurants, da Ba ň os ein beliebtes Touristenstädtchen ist. In Ba ň os gibt es einige Thermalbäder. Klar, musste Andi am nächsten Tag eines austesten. Dann ging es in strömendem Regen durch die Pastaza-Schlucht weiter nach Puyo.

Puyo

Puyo liegt ungefähr 66 km von Ba ň os entfernt und liegt am Urwaldrand in einer grünen Hügellandschaft. Die Fahrt geht durch ein schönes Tal mit vielen Wasserfällen und unbeleuchteten Tunnels. Die Straße ist ab und zu in einem sehr schlechten Zustand mit vielen Schlaglöchern, man arbeitet aber dran. Bei einer sehr schmalen und wackelig aussehenden Brücke musste ich dann doch kurz die Augen schließen. Durch den Regen und den angelaufenen Scheiben sahen wir auch nur die Hälfte. Puh, geschafft. Wir legten einen kleinen Zwischenstopp beim kleinen Paradies ein. „Pequeno Paraiso“ liegt direkt an der Straße nach Puyo und ist eine von Schweizern geführte Lodge.

In Puyo standen wir dann für die Nacht bei der Hosteria „Turingia“, direkt in der Stadt gelegen. In Puyo gibt es nicht viel zu sehen. Der „Parque Pedagogico  Etnobotanico Omaere“ ist recht interessant. Dieser Park wird von Indianern geführt, die auf Spanisch Heilpflanzen, Kräuter und das Leben von früher sehr ausführlich erklären. Der Guide berichtete, dass man früher zum „Kinder machen“ auf die umliegenden Berge zog. Es wurde nie im Hause „erledigt“. Ich glaube, da sind einige ganz froh darüber, daß es heutzutage nicht mehr so kompliziert und anstrengend ist.

Schlaflos am Vulkan Tungurahua

Die Rückfahrt ging wieder zurück nach Ba ň os. Diesmal sahen wir auch etwas von dem schönen Tal, die Sonne schien. Zwischendurch trafen wir auf einige verrückte Touristen ,die zwischen zwei Brücken schaukelten. Sie nannten es „Let it swing“. Der Knüller. „Bungee“ springen ist out, „Let it swing“ ist in. Demnächst wird es wohl „Bungee“ springen in einem explodierenden Vulkan geben oder Snowboard fahren auf Lava. Vielleicht bin ich ja zu altmodisch, aber ist das normal? Wir bogen kurz vor

Ba ň os links ab, zur Luxus-Hosteria „Luna Runtun“. Sie liegt über Ba ň os, direkt am Vulkan Tungurahua. Von hier hat man einen fantastischen Blick über Ba ň os. Allein die Fahrt dorthin ist Genuss pur.

Leider durften wir hier nicht stehen bleiben, also fuhren wir noch ein Stück höher zum kleinen Örtchen Runtun (2.400 m). Hier fragten wir einen Bauer, ob wir auf seinem Feld stehen dürften. Wir durften. Der Vulkan ist seit 1999 wieder recht aktiv und zeigt zahllose kleinere und mittlere Ausbrüche. Erst letzte Woche war er in der Zeitung abgebildet. Ich lag mal wieder die ganze Nacht wach, wie soll man da auch schlafen, oder? Obwohl es sehr ruhig war, hörte man ständig das Zischen und das Grummeln des Vulkans. Zweimal gab es eine richtige Explosion, sogar Andi wurde es mulmig. Man hörte wie die Steine runter rollten. Während Andi irgendwann schlief, wartete ich auf die runter fließende Lava. Aber sie kam nicht. Vielleicht standen wir an einer falschen Stelle. Gerädert ging es am nächsten Tag nach Riobamba.

Riobamba

Da wir nicht wieder über Ambato fahren wollten, nahmen wir die Abkürzung über Quero. Das sollte eigentlich schneller sein, war es aber nicht. Entweder war die Straße schlecht oder wir verfuhren uns, weil keine Schilder aufgestellt waren und niemand da war ,der uns Auskunft hätte geben können.

Schließlich schafften wir es dann doch auf die Panamerikana zurückzukommen. In Riobamba wollten wir nicht bleiben, und so suchten wir uns außerhalb einen Stellplatz, fanden aber keinen. Schließlich fanden wir die Luxus-Hosteria „Abraspungo“ zwischen Riobamba und Guano. Hier durften wir stehen (11 Dollar die Nacht). Andi traf seinen „Gott“, den in Ecuador bekannten Bergsteiger Marco Cruz. Während Andi am nächsten Tag Riobamba besichtigte, relaxte ich im Womo und schrieb Reisebericht.

Sibambe

Wir sind jetzt nicht mal auf die Schnelle nach Afrika gereist. Nein, Sibambe liegt in Ecuador, genauer gesagt bei Alausi. Wir sind bei super Wetter aus Riobamba gestartet. Vorbei am freien Chimborazo, auf der Panamerikana nach Alausi. Eigentlich wollten wir in Alausi die berühmte Eisenbahnfahrt machen. Aber der nächste Zug wäre erst in 3 Tagen gefahren, und es ist auch nicht mehr die alte schwarze Dampflokomotive sondern ein neuer Schienenbus. Also ließen wir es sein und fuhren mit unserem Auto nach Sibambe, die Endstation des Zuges. Das kleine Sibambe war wie ausgestorben, also stellten wir uns auf dem Marktplatz vor der Kirche. Am nächsten Morgen wurden wir mit Marschmusik aus einem alten Grammophon geweckt. Was war jetzt los? Auf dem Marktplatz versammelten sich Kinder in verschiedenen Uniformen. Um 9:00 Uhr ging die Parade los. Kinder verschiedenen Alters und Größe marschierten im Gleichschritt die Straße entlang. Wir vermuten, das hat mit dem Feiertag „Schlacht am Pichincha“ zu tun.

Auf der Rückfahrt hatten wir einen Blick auf die so genannte „Teufelsnase“.

Ingapirca

Die Fahrt ging durch bergige Landschaft über Chunchi und Tambo. Die Panamerikana ist hier in schlechtem Zustand. Immer mal wieder kommen gute Teilstrecken. Aber oft, wenn man nicht damit rechnet, hört der Asphalt einfach auf, und große Schlaglöcher liegen vor einem. Aber auch hier wird dran gearbeitet.

Ingapirca ist nicht etwa die Geliebte von Andreas, nein, sie ist die am besten erhaltene Ruine der alten Inkakultur in Ecuador und bedeutet „Steinmauer der Inka“.

Die Spanier haben die Ruine damals nicht gefunden, weil sie von den Inkas zugeschüttet worden war. Erst vor 30 Jahren wurde sie entdeckt.

Abends standen wir im Garten vor der Hosteria „Posada Ingapirca“. Hier speisten wir ein frisch zubereitetes Drei-Gänge-Menü (Quinoasuppe, Trucha-Forelle und Honigbällchen).

Am nächsten Tag waren wir ganz allein mit der Ruine. Ein sehr schöner Rundweg führte uns durch eine ländliche Landschaft. Hier lockte uns eine Bäuerin in ihren Schuppen. Sie kramte in einer Schachtel und zeigte uns alte Fundstücke. Ob sie wirklich echt waren, keine Ahnung! Sie erzählte uns, sie hätte es bei der Feldarbeit gefunden ,und nun will sie es verkaufen. Es waren wirklich schöne Sachen dabei. Aber wegen dem Zoll ließen wir es bleiben.

Cuenca

Weiter ging es über Biblián und Azogues nach Cuenca. In Azogues machten wir einen kleinen Stopp, um uns die Hutmacher anzuschauen. Hier soll der berühmte Panamahut gefertigt werden. Ein Hutladenbesitzer sagte uns, die meisten werden in Cuenca gefertigt. An der Hosteria „El Molino“, direkt an der Panamerikana, durften wir kostenlos stehen und bekamen auch eine Dusche. Direkt gegenüber hielten die Busse nach Cuenca. Nach einer ausgiebigen Besichtigungstour besuchten wir natürlich das Café „Austria“, mit Spiegel-Zeitschriften und das Bistro „Wunderbar“, wo es Weizenbier gibt. Hier kann man auch Bücher tauschen, aber wie gesagt nur tauschen. Es ist immer ein Drama. Meist werden zwei gegen eins getauscht. Blöd ist, wenn man nur ein Buch zum Tauschen hat. Man kann 10 Dollar zusätzlich auf den Tisch legen, die Bücher werden nicht verkauft. Andere haben eine andere Meinung dazu, ich finde es ziemlich blöd. Deutsche Bücher werden wie die heiligen Schriften behandelt.

Den nächsten Tag widmeten wir ausgiebig dem Panamahut. Der Panamahut kommt nämlich nicht aus Panama sondern aus Ecuador. Die Hutfabrik „Homero Ortega P. & Hijos“ ist in Cuenca. Am besten fragt man im Informationsbüro an der Kathedrale nach dem Weg. In der Fabrik wird einem von A-Z alles gezeigt und erklärt. Es kostet keinen Eintritt, aber ein Trinkgeld wird immer gern gesehen. Das Rohmaterial kommt von der Küste (Manabi) und wird hier weiterverarbeitet. Hier kauften auch Berühmtheiten wie Brad Pitt, Prinzessin von Monaco oder „Colombo“.

Es gibt auch Verkaufsräume, wo man die Qual der Wahl hat. Der Panamahut kann bis zu 400 Dollar kosten. Wir kaufen einen für 10 Dollar.

Nationalpark Cajas

Ja, ja. Wir kommen einfach nicht weiter. Laut Plan sollten wir schon längst in Peru sein, aber Ecuador ist einfach ein so vielseitiges Land. Nach so vielen neuen Eindrücken, wollen wir noch mal ein wenig Wandern und Ausspannen. Der Park liegt 35 km westlich von Cuenca und kostet 10 Dollar pro Person Eintritt. Neben unzähligen kleinen Teichen soll es hier mehr als 250 Seen geben. Leider regnet es hier oft. Wir haben Glück, und es bleibt wenigstens trocken. Wir stellen uns an die Lagune „Toreadora“, wo auch ein kleines Besucherzentrum ist. Nachdem Andi dem Aufseher erklärt hat, daß er keine zusätzlichen 4 Dollar pro Kopf für die Übernachtung bekommt, machten wir einen Spaziergang um die Lagune. Am anderen Tag zogen wir unsere Wanderstiefel an und los ging´s. Wir waren wieder ganz alleine, und die Landschaft erinnert ein wenig an die schottischen Highlands.

Es fing an zu nieseln. Die Steine waren glatt und …..klatsch, schon lag ich auf mein Hinterteil. Nein, nichts passiert. Es ging weiter. Leider gibt es im ganzen Park keine Hinweisschilder und Wegweiser, noch nicht mal Steinmännchen, deshalb war es unheimlich schwierig den Weg zu finden. Auf der Hälfte unserer Rundtour überquerte laut Karte der Weg einen Fluss. Aber es gab nirgends eine Brücke oder einen Steg. So wurden wir gezwungen, wie ein Frosch von Stein zu Stein zu hüpfen. Andi hüpfte als erstes und gab mir die Hand und zog mich rüber. Leider ließ er mich zu früh los. Ich hatte keinen Halt. Im Zeitlupentempo kippte ich langsam und dann……platsch. Ich lag bis zum Bauchnabel im Wasser. Das kalte Wasser suchte sich sein Weg. Ich spürte, wie mein Unterleib zu Eis gefror. Automatisch musste ich an Titanic denken. Nein, ich will noch nicht sterben. Also, stieg ich aus meinem erfrischenden „Kleopatrabad“. In meinen Schuhen war mindestens ein Liter Wasser. Also machte ich ,was man machen soll: Schnell nasse Kleider vom Leib, unter die warme Dusche und ins Bett. Nee, schön wär´s. Der kalte Wind blies aus allen Richtungen. Schnell nach Hause. Laut Karte war der Rückweg etwa gleich lang. Wir stiefelten los. Wir fanden den Weg nicht. Es sah auf einmal alles so gleich aus. Wir irrten wie Hänsel und Gretel durch die Pampa. Ich wurde so sauer, weil hier keine Schilder sind. Eine innere Stimme sagte mir: „Komm Michi, lass es raus.“ Also schrie ich alle möglichen Schimpfwörter. Aber wenn ich wütend bin, muss ich automatisch dazu heulen. Also schrie ich und heulte was das Zeug hält und wollte eigentlich den Nächstbesten umbringen. Der Himmel heulte auch. Meine untere Hälfte spürte ich schon lange nicht mehr. Meine Beine waren schwer wie Blei. Wir kletterten einen Berg hinauf. Die Sonne kam wieder. Wie ich oben war, wollte ich auch schon wieder umkehren. Oben stand eine Touristengruppe mit einem Guide, der ihnen gerade etwas erklärte. Mit verschmierter Wimperntusche, nassen, schlammigen Klamotten und purem Hass im Gesicht, sah ich aus wie „das Ungeheuer aus dem Sumpf“. Sofort lenkte ich die volle Aufmerksamkeit auf mich. Ich stiefelte wie Arnold Schwarzenegger in „Terminator“ an der Gruppe vorbei. In den Gesichtern las ich: „Wo haben sie die denn ausgegraben?“ Mein Inneres sagte: „Schnell weg hier, bevor ich den Guide in den nächsten Fluss ertränke.“ Wir fanden den Weg, und nun ging es im Galopp nach Hause. Wenig später saß ich völlig erschöpft vor unserer Heizung. Andi wollte nur kurz sein „Geschäft“ im Besucherzentrum erledigen, kam aber nicht mehr. Später meinte er, er hätte gerade das Besucherzentrum aus Versehen überschwemmt. Er hätte nur die Spülung betätigt, und schon sprudelte das Wasser hinaus. Bis endlich jemand auf die Idee kam, den Haupthahn zu schließen, stand schon alles unter Wasser. Was für ein Tag. Ich taute langsam auf ,und plötzlich konnte ich nicht mehr laufen. Mein Fuß war dick angeschwollen. Prima!

Vilcabamba

Auf der Fahrt nach Vilcabamba legten wir einen Stopp in Saraguro ein. Es war gerade Markt. So konnten wir die Einheimischen in ihren Trachten bewundern. Die hier lebende Bevölkerung kam ursprünglich aus Peru. Sie wurden damals von den Inkas hierher verschleppt, um die Felder zu bestellen. Auch heute noch sieht man den peruanischen Einschlag. Männer tragen lange schwarze, geflochtene Zöpfe. Auch die Trachten sehen ganz anders aus. Männer tragen kurze, knielange, schwarze Hosen. Frauen lange, schwarze Röcke die bis zum Boden gehen.

Für die Nacht stellten wir uns an eine Baustelle, direkt neben der Panamerikana. Wir sahen Kinder mit kaputten Kleidern, die gerade mit Plastikfenster aus Holzrahmen spielten, die irgend jemand hier entsorgt hat. Am Ende des Spiels prügelten sie sich trotzdem.

Die Eltern wurden gerufen. Sie freuten sich über die Plastikfenster. Man einigte sich, und schon nahm jeder einige „Fenster“ mit. Die Karawane lief entlang der Panamerikana. Wahnsinn, dachte ich, für diese Leute war heute Weihnachten. Ein Kind kam mit seinem Vater zu spät, die Leute und „Fenster“ waren weg. Enttäuscht gingen sie in der Dämmerung davon.

Über Loja ging es durch ein sehr grünes, hügeliges Tal nach Vilcabamba. Der kleine Ort liegt auf 1.500 m. Hier soll es angeblich sehr viele Menschen über 100 Jahre geben. Man vermutet, daß es am milden, angenehmen Klima liegt, warum die Menschen hier so alt werden. Gesehen haben wir die alten Leutchen noch nicht, nur einige Hippies in der Stadt. Vielleicht waren sie es und sehen nur noch so jung aus?

Auf alle Fälle fühl ich mich hier pudelwohl. Wir stehen im Hostel „Madre Tierra“. Hier bekommen wir ein Drei-Gänge-Menü für nur 5 Dollar pro Kopf, und es schmeckt einfach fantastisch. Alles wird selber gemacht, sogar das Brot. Hier gibt es einige amerikanische Touristen, die sich mit Massagen und Gurkenmasken verwöhnen lassen. Ich glaube, ein Paradies kann nicht besser sein. Es ist alles perfekt, nur nicht mein Fuß. Er macht immer noch Zicken. Ich humpele durch mein Paradies und bin auf einmal verliebt. Ich saß gerade auf einer gepolsterten Bank. Dann bekam ich Gesellschaft von einem kleinen schwarzen Hund, dem Haushund. Er kuschelte sich an mich und schlief. So,süßßß…..Keine Angst „Ninchen“, du bleibst die Nummer eins. Der kleine Hund ist höchstens ein halbes Jahr alt und ziemlich verspielt. Andi und ich überlegen uns, wie wir ihn entführen können, aber darf man das im Paradies?

Andi macht gerade eine Wanderung auf den 2.034 Meter hohen Mandango. Ich kuriere meinen Fuß und schreibe Reisebericht. Aber es wird schon. Ein paar Tage Laufpause, und ich bin wieder fit wie ein Turnschuh. Spontan haben wir uns dazu entschlossen, noch einen Tag länger zu bleiben. Aber dann geht`s ins neue Land hinein. Andi war schon mal in Peru, für mich ist es Neuland. Bin schon sehr gespannt.                                                                                            M i c h a e l a

 

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