REISEBERICHT BOLIVIEN

 

 #Bolivien – der Süden

#Bolivien- schönes Land und trauriger Abschied

 

30.07. bis 15.08.04                                                                 41.900 bis 42.500 km

Bolivien- schönes Land und trauriger Abschied

 

Copacabana

 

Nach dem wirklich sehr angenehmen (Auto wird nicht durchsucht) und ruhigen Grenzübergang ging es gleich weiter nach Copacabana. Eigentlich wollten wir im Hostal „La Cúpula“ stehen, weil wir gehört haben, daß man hier gut essen kann, aber leider weigerte sich „Speedy“ die steile Einfahrtsstraße hinauf zu fahren. Die Räder drehten durch, und in der Kurve sah es fast so aus, als wenn unser kleines Autole umkippen würde. Aber es ging gerade noch mal gut. Ja, wir haben halt ein sehr eigenwilliges Autole, aber wir dürfen uns nicht beschweren, bis jetzt hält es tapfer durch. Wir suchten ein anderes Hotel. Am Strand wurden wir fündig. Im Hotel „Chasqui de Oro“ durften wir für nur 10 Bolivianos (ca. 1,25 $) stehen. Eine warme Dusche gab es für den gleichen Preis. Abends gingen wir essen und konnten es gar nicht fassen, wie günstig alles ist. Preisbeispiel: Wir zahlten insgesamt 10 $ für ein Knoblauchbrot, zwei riesige gemischte Salate, zwei frische Forellen mit Beilagen, zwei frische Säfte, einen  Tee, ein großes Bier. WAHNSINN !!! Obwohl es hier sehr touristisch ist, sind die Preise sehr niedrig. Die billigste Übernachtung in einem einfachen Hostal kostet zwischen 1-2 $. Die Busse kosten Pfennige. Der Diesel ist wesentlich billiger als in Peru.

 

Isla del Sol

 

Wir buchten eine Tour zur „Isla del Sol“ (5 $ für zwei), die Sonneninsel auf dem Titicacasee. Die Fähre fuhr zu einer humanen Zeit los (8:30 Uhr). Eigentlich wollte ich nach dem Erlebnis auf Galapagos nie wieder ein Boot betreten, aber das kleine Boot  tuckerte gemächlich und ruhig über den See, sodaß ich mein Frühstück drin behielt.  Nach zwei Stunden erreichten wir das Ufer der Sonneninsel. Wir hatten den ganzen Tag Zeit. Also wanderten wir über einen einfachen und guten Wanderweg über die ganze Insel von Nord nach Süd. Immer wieder bekamen wir gigantische Ausblicke auf den See. Am späten Nachmittag sammelte das Boot die Wanderlustigen wieder ein, und zurück ging es. Der Ausflug hat sich gelohnt.

 

Fahrt nach La Paz

 

In Tiquina mussten wir mit einer Holzfähre den See überqueren. Das Auto wiegte sich langsam hin und her, hin und her…. Die Fähre sah oft sehr wackelig aus, so als wenn sie in der Mitte auseinander brechen würde, aber sie hielt. Nach 20 Minuten Bangen und  gutes Zureden  erreichten wir das andere Ufer. Jetzt hieß es erstmal Tanken fahren. Denkste! Es gab keine Tankstelle. Eine alte Frau verkaufte Diesel in einer verrosteten Tonne, daß wollten wir unserem treuen Freund nicht einflößen. Da Andi immer bis zum roten Strich fährt und er den Ersatzkanister schlauerweise immer leer herumfährt, kam er die nächsten 50 Kilometer ziemlich ins Schwitzen. Ich freute mich schon, endlich darf er Laufen gehen und die üblichen Sätze wie: „Du hörst ja nicht auf mich!“ kreisten im Hirn herum. Aber, leider wurde es nichts mit dem kleinen Denkzettel. Im Ort Huatajata gab es die sehnsüchtig erwartete Tankstelle und die Schweißperlen auf Andis Stirn verdunsteten langsam.

Die Strecke zwischen Copacabana und La Paz ist sehr schön. Immer wieder bekommt man Blicke auf den See und auf die Cordillera Real.

 

La Paz

 

Kaum zu glauben, aber wahr.  Wir haben es tatsächlich geschafft, an einer Millionenstadt vorbei zufahren. Wie das geht? Wissen wir selber nicht! Eigentlich führt die Straße laut Plan durch La Paz. Immer gerade aus, aber die Wirklichkeit sah anders aus. Da wir auch kein einziges Schild sahen, mussten wir mal wieder einige Leute fragen. Einige Leute deshalb, weil viele gar nicht wissen, daß sie in La Paz leben und nur mit dem Kopf schütteln können. Das Kuriose ist noch, wir sahen keine Stadt. Somit konnten wir uns nicht orientieren, weil es Schilder nur selten gibt. Wo zum Teufel ist La Paz ??? Wir waren schon auf den Weg nach Oruro, bis uns der Geistesblitz traf, der uns sagte, daß der Weg hier falsch ist. Wir drehten um, den gleichen Weg zurück. Was haben wir nur falsch gemacht? Es kam eine Mautstation, und danach sahen wir sie endlich! Die Millionenstadt La Paz. Wir bekamen einen gigantischen Ausblick auf die Stadt im Talkessel, aber die Freude legte sich schnell wieder, weil: „Da müssen wir durch? Oh, nein! Ohne mich!“ Aber trotz gesperrter Hauptraßen haben wir es doch geschafft ins „Valle del la Luna“, ins Mondtal, zu kommen. Hier war die Fahrt erstmal kurzfristig zu Ende. Warum? Es war Stau, und hundert Leute schauten in das Tal hinein. Woran lag es? Ein Auto ist den Abhang hinunter gestürzt. Angeblich keine Tote. Wir warteten die Sensationsgier der Leute ab, bis sich eine kleine Gasse bildete, wo wir durchfahren konnten. Unser Ziel war das Hotel „Oberland“. Hier trafen wir auf bekannte Gesichter: Fränzi und Erich. Bei Raclette, Fondue und anderen leckeren Sachen wurden es gemütliche Abende.

Nach der Stadtbesichtigung besuchten wir noch den kleinen Zaubermarkt. Hier bekommt man Kräuter gegen was weiß nicht was und getrocknete Lamaembryos für´s Glück (igitt, pfui).

 

„Akuter Wurm“ oder alles nur psychisch?

 

Seit Tagen hatte ich auf der rechten Seite Bauchweh. Blinddarm ja oder nein, das ist hier die Frage. Dr. Besserwisser (Andi) meinte mal wieder, es ist alles nur psychisch. Liebe hin oder her, ich könnte ihn manchmal….Während Andi friedlich schlief, wälzte ich mich besorgt hin und her. Ich fragte mich ernsthaft: „Warum, immer ich?“

Am nächsten Tag fuhr Andi mit dem Mountainbike (organisiert, 28 $), in die Yungas hinab. Er fragte mich vorher, ob er lieber da bleiben sollte, aber ich wollte lieber alleine hier sterben und nicht weiterhin so einen großen Mist anhören. Er ging und ich wünschte ihn „Hals und Beinbruch“, viele matschige Straßenabschnitte und noch einiges mehr (grr, grr, grr).

Währenddessen wurden meine Bauchschmerzen schlimmer. Da ich nicht in einem Hinterhof sterben wollte, hielt ich es für besser zu einem Arzt zu gehen. Als seelische Unterstützung kam Franziska mit. In La Paz gibt es die „Clinica Aleman“. Nach einigen Tests kam die glückliche Mitteilung: Ich habe „nur“ eine Harntraktinfektion. Ich musste also nicht unter´s Messer, hurra !!!!

Abends war Andi natürlich überglücklich, daß ich ihm erhalten bleibe. Er hat sich schon so an mich gewöhnt und überhaupt ………Ach, ist Liebe schön ……

Natürlich erzählte er mir von seiner Radtour. Sie waren zu viert. Es ging die „gefährlichste Straße der Welt“ von 4.650 m auf 1.350 m hinunter. Die Straße hat er sich spektakulärer vorgestellt, aber es war trotzdem ein besonderes Erlebnis (logisch mit drei jungen Mädels).

In den weiteren Tagen kamen zwei weitere Reisende ins Hotel „Oberland“. Waltraud und Jürgen aus Esslingen. Beide schon seit einigen Monaten mit ihrem Iveco in Südamerika unterwegs.

Mein Bauchweh wurde trotz Antibiotika nicht besser. Klar, alles nur psychisch. Also ging ich noch mal zum Arzt. Diesmal war es ein anderer Arzt ,und er hat seltsamerweise eine andere Diagnose gestellt. Ich habe jetzt also einen gezerrten, entzündeten Bauchmuskel.  Ich bekam zwei niedliche, kleine Spritzen in den Bauch (aua) und trage seitdem einen Stützverband.

Dann passierte Folgendes: Andi bekam auch etwas „Psychisches“. Durchfall und fast 39 Grad Fieber. Psst, es wird jetzt nicht gelacht !!

 

Freitag der 13.

 

Für die Einen ein Glückstag und für mich ein sehr trauriger Tag.

Meine Mutter ist gestorben. Viel zu früh. Sie hatte Krebs. Vor knapp vier Jahren fing alles an. Sie kippte während dem Zeitung lesen einfach vom Stuhl. Diagnose: Bösartiger Tumor. Selbst die unzähligen Operationen konnten meine Mutter nicht umhauen. Sie war Meisterin im Verdrängen, und sie hat bis zum Schluss geglaubt, daß sie wieder gesund wird. Sie war eine sehr lebensfrohe Natur. Aber der Krebs war stärker.

Ich bin dankbar, daß sie jetzt nicht mehr die lästigen Operationen über sich ergehen lassen muss. Voll gepumpt mit Morphium und anderen Drogen ist sie in eine andere Welt gegangen.

 

„Abschied“ im Sajama Park

 

Hier in der einsamen, weiten Natur zwischen zahlreichen Vulkanen nehme ich Abschied von meiner Mutter. Sie wird in meinen Erinnerungen weiterleben. Ich bin stolz, ein Teil von ihr zu sein. Sie war eine tolle Mutter. Sie hat immer gesagt: „Michi genieße das Leben, so lange und so gut es geht. Man weiß nie, wann es zu Ende geht“. Im Moment fällt es mir schwer, zu genießen. Das Leben ist manchmal so unfair und ungerecht. Trotz der langen Vorbereitungszeit tut es noch unheimlich weh.

Aber die Reise wird mir über diesen schweren Verlust helfen. Zum Glück habe ich Geschwister, überall steckt Mama drin, mal mehr, mal weniger.

                                                                                                                              M i c h a e l a

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16.08. bis 31.08.04                                                                 42.500 bis 43.700 km

Bolivien – der Süden                                                            Plus Leihauto 1450 km

Über Oruro nach Potosi

Da Andi immer einiges zu tun hat, entlaste ich ausnahmsweise meinen gestressten Mann und übernehme seinen Bericht.

Wir verlassen den Sajama National Park und fahren auf guter Straße nach Oruro. Hier machen wir in einer Seitenstraße einen Ölwechsel. Auf guter Straße geht es weiter nach Potosi. Wir dürfen im Hostal Tarija stehen (für 32 Bol. mit Dusche, ohne Strom, unfreundliche Leute). Das Hotel Copacabana, einige Meter weiter, war schon voll.

Cerro Rico – geschundenes Potosi (Andreas)

Potosi ist mit 4.065 m die höchstgelegene Stadt der Welt. Im Jahre 1545 entdeckt man Silber im 4.829 m hohen Cerro Rico, der hinter der Stadt aufragt. Potosi wird die größte Stadt Amerikas, eine „Schatzkammer, die der Welt am meisten zu geben hat“. Bis heute wird der Berg ausgebeutet, 46.000 Tonnen Silber sind es bereits. Heute findet man fast nur noch Zinnerz. 8 Millionen (!) Indigena finden unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen den Tod, die offenen Adern Lateinamerikas !

Klar, davon muß ich mich überzeugen. Also buche ich bei „Koala“ für 10 Dollar. Wir sind 2 Gruppen mit je 7 Leuten. Helm, Lampe, Schutzanzug und Stiefel bekommen wir. Zunächst geht es zum „Mercado de Mineros“, um Geschenke zu kaufen. Coca, Dynamit, Handschuhe und Alkohol (96 % !), die Grundausstattung eben. Wir sehen wie Zinn, Zink und (ein wenig) Silber vom Gestein getrennt wird, ehe dies dann nach Europa und Nordamerika verschifft wird.

Dann stehen wir vor dem Mineneingang, ein dunkles Loch. Gerade eingestiegen, flüchten wir zurück. 2 Kinder schieben den übervollen, eine Tonne schweren Wagon aus dem Berg. Schon jetzt muß ich erfahren, dass der jüngste Minero gerade mal 8 Jahre alt ist. Er verdient mit gut 2 Dollar pro Tag etwa doppelt so viel, als ein Schuhputzjunge am Plaza. Ich bin schockiert. Der älteste Minero ist 68 Jahre alt, dennoch ist die Lebenserwartung gering.

Nun ist der „Weg“ frei. Entlang der Schienen schlagen wir uns in gebückter Haltung bis zu einem Stollen durch, wo ein kleines Museum eingerichtet ist. Weiter, es wird enger, die Luft wird dünner, es wird heißer, stickiger. Wir kriechen hinunter in die 2. Ebene, noch tiefer in die 3. Ebene. 2 Mineros schaufeln wie die Wilden, ich sehe fassungslos zu. Auf dem Bauch kriechend geht es weiter hinein in den Teufelsberg. Senkrechte Leitern führen einen Schacht hinunter – 4. Ebene. Nun ist es noch heißer, noch staubiger. Immer wieder muß ich husten. Ein Minero schuftet sich mit Hammer und Meißel durch das Gestein. Beschämt verabschiede ich mich und zeige ihm meinen Respekt. Auf dem Weg nach oben rollen wieder Wagons vorbei, diesmal ziehen und schieben 4 Mineros das 2 Tonnen schwere Ungetüm. Wir rennen die letzten Meter, denn es soll Gegenverkehr kommen. Ein helles Loch, ich habe es geschafft, ich bin draußen.

Auch im 21. Jahrhundert wird Mensch und Berg ausgebeutet wie eh und je. Kein Wunder, solange die so genannte zivilisierte Welt (WIR !) nach Zinn, Zink und Silber schreit. Ohne Frage, es ist meine bisher tiefste Erfahrung auf dieser Reise.   

Sucre

Die Fahrt führt uns auf einer guten Asphaltstraße nach Sucre. Im Hotel „Austria“, nahe dem Terminal, dürfen wir im Hof stehen (40 Bol. mit Dusche und Strom).

Wir besichtigen die schöne Hauptstadt mit ihren weißen Kolonialhäusern und gehen anschließend Pizza essen (laut Andi: die beste Pizza in Bolivien, direkt am Plaza „Pizza Napolitana“).

Den ganzen Tag rätselten wir rum, ob Susanne und Michel (ihr wisst schon, die mit den blauen Iveco – www.hgfahren.de) schon wieder fahrbereit waren. Sie standen zuletzt in Iquique (Chile) in einer Werkstatt und reparierten ihren Motor. Aber wie es so schön heißt: Kaum spricht man vom Teufel….Plötzlich lief Susanne an meinem Küchenfenster vorbei. Wir verbrachten einen schönen Abend. Wo? Natürlich in der Pizzeria.

Uyuni

Da uns abgeraten worden ist, mit unserem Fahrzeug nach Uyuni zu fahren, liehen wir uns bei Imbex-rent in Sucre einen kleinen Jeep. So fuhren wir also, mit unserem Suzuki (Allrad), über Potosi auf einer ekelhaften waschbrettartigen, teilweise sandigen Piste nach Uyuni. Klar,es waren auch drei Flussdurchfahrten dabei.

In Uyuni quartierten wir uns in dem einfachen, aber sauberen Hostal Marith (Zimmer ohne Bad 20 Bol./Per.) ein.

Am anderen morgen wollten wir eigentlich zum „Salar de Uyuni“, aber wir mussten vorher noch tanken. Kein Problem? Doch! Am Abend zuvor gab es schon keines. Es hieß „maňana“. Jetzt sagte der Tankwart zu uns „Um zehn kommt der LKW“. Gut dachten wir, es sind ja nur zwei Stunden. Aus den zwei Stunden wurden dann acht. Die Leute kamen mit Fässern, um sich einen Vorrat anzulegen. Hinter uns eine riesige Autoschlange. Für uns Touristen ein purer Horror, für die Einheimischen anscheinend normal. Sie lachten und unterhielten sich, als wenn nichts wäre. Der Tag war natürlich gelaufen und gezahlt haben wir später für den Tag auch nichts.

 Irrgarten „Salar de Uyuni“

Endlich ging es zum Salzsee, das Naturwunder von Bolivien. Er ist etwa 160 km lang und 135 km breit. Wir hoppelten 25 km über eine waschbrettartige Piste zum Einstieg. Leider hatte es in der Nacht in Strömen gegossen, so sah die sonst schneeweiße Fläche wirklich aus wie ein See. Wir warteten bis ein Tourenauto kam und folgten bis zum Salzhotel. Das Salzhotel ist komplett aus Salz gebaut, sogar Einrichtungen wie Bett und Tisch.

Was uns leider niemand gesagt hat und auch in unserem Reiseführer nirgends steht: Es befinden sich „tausende“ Inseln auf dem See. So hatten wir Schwierigkeiten ,die Insel „Incahuasi“ zu finden. Durch das Nasse sahen wir keine Spuren, zum Glück trafen wir auf zwei Tourenautos, denen wir folgten. Leider gab es auf der Insel „Incahuasi“ keine Übernachtungsmöglichkeit ,und im Auto wollten wir nicht schlafen. So fuhren wir noch kurz zur „Isla de Pescado“ rüber. Aber auch hier gab es nichts. Wir waren ganz allein. Der Hinweg war sehr einfach, der Rückweg eine Katastrophe. Warum? Wir hatten auf einmal „tausende“ Inseln vor uns. Welche ist nun die Richtige? „Die ist es!“ „Nein, die!“ Wir fuhren alle denkbaren Möglichkeiten ab. Bis wir völlig erledigt auf dem See innehielten und sagten „Es bringt nichts, wir müssen zurück nach Uyuni, bevor wir das ganze Benzin verfahren“. Aber leichter gesagt wie getan. Wir hatten zwar genug Ersatzbenzin dabei, aber wenn wir uns weiter verfuhren, wurde es eng. Wir sahen keine Spuren.

Die Inseln spiegelten sich im Wasser wieder, es war unendlich still. Wir sahen auch keine Tourenautos mehr. Ganze fünf Autos sahen wir an diesem Tag. Es war später Nachmittag, die Sonne würde bald untergehen. Was nun? Wir wussten, daß Uyuni im Osten liegt, also Kompass raus und gefahren. Die Sonne im Rücken. Im Kopf rechnete ich schon unsere Wasservorräte aus. Wie lange können wir damit überleben? Einige Tage auf alle Fälle. Nach einer unendlich langen Fahrt fanden wir Spuren. Wir hatten es geschafft. Aber damit nicht genug.

Der nächste Tag war so schön, daß Andi unbedingt nochmal auf den See wollte. Diesmal sah der See ganz anders aus. Er hatte überall unterschiedliche Strukturen. Er war weiß wie Schnee und hart wie Asphalt. Wir waren gut gelaunt und alberten rum. Wir wollten wieder zur Insel „Incahuasi“. Leider war hier der See immer noch völlig nass. Der Kompass nutzte auch nichts, er war zu ungenau. Wir standen wieder völlig hilflos auf dem See. Plötzlich tauchte in der Ferne ein Auto auf. Wir folgten ihm. Auf der Insel „Incahuasi“ machten wir einen kleinen Spaziergang durch die riesigen Kakteen. Mutig wie wir sind, wollten wir diesmal durch den Südausgang vom See raus. Wir fuhren und fuhren. Plötzlich wurden wir langsamer. Was war los? Das Salz war an dieser Stelle völlig durchweicht. „Bloß nicht anhalten, schnell raus aus dieser Pampe, sonst bleiben wir stecken“.

Weiter ging es. Die Wolken spiegelten sich im Wasser wieder. Ich hatte den Eindruck, als wenn wir fliegen würden. Wir waren im Süden. Wieder kamen wir plötzlich in ein riesiges, matschiges Gebiet. Hier konnten wir nicht raus fahren. Wir wollten zurück nach Uyuni, auf dem Weg, den wir gestern fuhren. Wieder sah alles so gleich aus. Wieder drohte der Wagen,im Schlamm zu versinken. „Bloß, nicht anhalten. Wenn wir stecken bleiben, sind wir verloren. Da nutzt auch kein Allrad“! Panik machte sich breit. Kommen wir hier je wieder raus? Wir werden als Salzmumien enden. Wir standen wieder völlig verloren und allein auf dem See. Wir mussten uns beeilen, die Sonne ging bald unter. Wir mussten uns zwingen, Ruhe zu bewahren. Wir gingen den Weg, den wir gefahren sind noch mal durch. „Wir waren einfach noch zu südlich. Also weiter nördlich und dann östlich fahren.“ Ich betete, dass unsere Vermutung stimmen würde. Etwa 45 km weiter sahen wir endlich Spuren und endlich einen Autoreifen, der eine Art Piste markiert. Wir sind gerettet !!!

Eines steht fest: So schön wie der See ist, so heimtückisch ist er auch. Mich kriegen keine zehn Pferde mehr drauf. Zumindest nur, wenn es vorher monatelang nicht geregnet hat oder nur mit einer geführten Tour !!                                

Straße nach Villazón – Grenze Argentinien

Da es keine asphaltierte Straße von Bolivien nach Argentinien gibt, suchten wir uns die beste Schotterpiste aus. Aber auch die hatte ihre Tücken. Sie war zwar in guten Zustand, hatte aber einige Hindernisse. An einer Baustelle konnten wir uns zum Beispiel aussuchen, ob wir lieber durch einen Fluss fahren wollten oder lieber die Brücke, die kurz vor dem Einstürzen war. Wir nahmen die Brücke, weil wir sonst im Fluss abgetrieben wären. Hinter der Brücke war die Straße abgesperrt mit einem riesigen Steinhaufen. Nur eine kleine Lücke für LKW´s war frei. Da die LKW´s aber höher liegen, saßen wir natürlich auf dem sandigen Hügel auf. Natürlich war mal wieder kein einziger Mensch zu sehen, und so hieß es: Selber buddeln. Zu Zweit buddelten wir, wie Maulwürfe, den Hügel flacher. Geschafft ! Dem Auto ist nichts passiert, nur Andi hatte seltsamerweise noch mehr graue Haare auf dem Kopf. Klar,es war natürlich noch eine Flussdurchfahrt dabei. Die war aber im Vergleich zu der anderen eine kleine Pfütze. Nach über 300 km staubige Piste war die Grenze nach Argentinien erreicht. Unser Auto sah aus wie eine Sandkiste, der feine mehlige Staub kam durch jede Ritze. Auch ich hatte endlich Farbe im Gesicht. Der bräunliche, mehlige Staub legte sich auf die Haut, wie Make-Up.                           M I C H A E L A

 

 

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