REISEBERICHT ARGENTINIEN

 

#DIE HEIMREISE

#DIE REISE NEIGT SICH DEM ENDE ZU

#FITZ ROY UND CERRO TORRE

#PATAGONISCHES ARGENTINIEN – AM ZIEL

#„KANADA“ LÄSST GRÜSSEN

#AUF NACH PATAGONIEN – FASZINATION WAL

#Argentinien – Wein und Steaks rufen

 

 

 

 

01.09. bis 21.09.04                                                                    43.700 bis 44.150 km

 

Argentinien – Wein und Steaks rufen                                 Plus Leihauto 4600km 

Grenze Bolivien-Argentinien

Ja, stimmt !! Andi ist schon wieder im Stress. Er ist zur Zeit mit dem Leihauto zum Bergdorf Iruya gefahren. Während ich nicht alles im Leben sehen muss, kann er absolut nichts auslassen. Das dürfte dann sein x-tausendstes Bergdorf sein, und er kommt jedes Mal so begeistert zurück, als wenn es sein allererstes wäre.

Ich bin zur Zeit ziemlich reisemüde und kann mich für nichts mehr begeistern. Nur noch schwer kann ich die Schönheiten der Natur erkennen und in mir aufnehmen. Nur die Iguazú Fälle (dazu später) konnten mich wachrütteln, alle anderen Highlights entlockten bei mir nur noch ein müdes Gähnen.

Völlig übersättigt lege ich in Salta eine Pause ein und verdaue erstmal die letzten Tage und Wochen. Aber nun erzähle ich erstmal von Anfang an:

In Villazón, dem Grenzort zwischen Bolivien und Argentinien, trafen wir endlich wieder auf Asphalt. Ca. 300 km staubige Piste lag hinter uns ,und wir freuten uns wie Schneekönige auf den Teerbelag. Der Grenzübertritt ging mal wieder zügig und problemlos über die Bühne. Das Auto wurde nicht durchsucht, ein kurzer Blick genügte den Beamten.

Wir übernachteten in der Pampa, bevor es am nächsten Tag Richtung Jujuy ging. Die 20 km westlich von Jujuy gelegene „Termas de Reyes“ war unser Tagesziel.

Hier änderte sich das Bild. Der Anblick von Armut und halbzerfallenen Häuser war uns ja seit längerer Zeit vertraut, und nun sahen wir auf einmal prachtvolle Villen mit gepflegten Gärten.

Auch mein inneres, eingebautes GPS-System freute sich. Vorher hieß es:

„Error, error !! Kein Schild gesehen. Orientierung verloren. Anhalten und fragen !“ hieß es jetzt: „Lehnen sie sich zurück. Entspannen sie sich. An der nächsten Kreuzung fahren sie bitte rechts und nun wieder links, und schon sind sie da!“

Jedesmal wenn ich ein Schild sehe freue ich mich: „Da, schau schon wieder eins und da noch eins und da…..“ Vorher war es wie Ostereier suchen: „ Ja, wo ist denn jetzt das Schild? Ist es im Backofen, im Mülleimer oder vielleicht doch ganz wo anders?“. Kurz gesagt: Es ist alles sehr gut und reichlich ausgeschildert, was ein entspanntes Fahren zur Folge hat. Auch gibt es viele Campingplätze, und an den großen Tankstellen gibt es Cafeterien und sogar gute Duschen.

In dem Schwimmbad ähnlichen „Termas de Reyes“ nahmen wir erstmal ein ausgiebiges Bad, weil ja noch der Staub von Bolivien an uns haftete. Hier durften wir auch auf dem Parkplatz gegen eine geringe Gebühr nächtigen. Sauber und hungrig ging es ins Hotelrestaurant. Hier lernten wir die erste  Eigenart Argentinien´s kennen: Abendessen erst ab 20 Uhr ! Die erste Reaktion war: „Die spinnen. Das können sie doch nicht machen!“ Wie macht man jetzt einem Kellner klar, daß man um 20 Uhr schläft und man jetzt um 18:30 Uhr essen will. Genau, man beschwert sich beim Manager. Es klappte auch, wir konnten pünktlich um 20 Uhr ins Bett.

Salta

Wir besuchten die Orte Humahuaca, Tilcara, Purmamarca. Durch die „Quebrada de Humahuaca“ ging es nach Salta auf den Campingplatz „Carlos Xamena“. Hier schrubbten wir den ganzen Tag unser Auto. Der feine Staub aus Bolivien ging wirklich in jede Ecke.

Leider ist es mit dem Essen in Salta auch nicht anders. Zwischen 15:00 Uhr und 20:00 Uhr schließen alle Restaurants und ab 13:00 alle Läden. Die Argentinier machen Siesta. In dieser Zeit ist es in der Stadt wie ausgestorben. Das die Argentinier echte Lebensgenießer sind, merkt man nicht nur an den riesigen, zarten Steaks und dem guten Wein.

Salta hat auch den Beinamen „die Schöne“. Was, wie ich finde, ein wenig übertrieben ist. Sie hat einen netten Plaza, zwei nette Kirchen, zwei Fußgängerzonen und eine moderne Seilbahn, aber sonst ist sie wie jede andere Stadt.

Tour 1: Iguazú Wasserfälle

Wir mieteten uns in Salta für zwei Wochen ein Leihauto (super Angebot) und machten einige Touren. In zwei Tagen ging es auf teilweise guter Asphaltstraße zu den Wasserfällen, die mitten im Dschungel im Dreiländereck Paraguay, Brasilien und Argentinien liegen.

Zwischendrin besuchten wir die 56 km östlich von Posadas gelegenen Jesuiten- Ruinen in San Ignacio. In Puerto Iguazú, der Ausgangspunkt für die Fälle, nächtigten wir. Am nächsten Tag waren wir ein wenig enttäuscht, weil der Himmel ziemlich bewölkt war. Das gigantische Naturwunder hellte unsere Laune aber schnell wieder auf, und am Nachmittag zeigte sich auch wieder die Sonne. Mehrere hundert einzelne Fälle stürzen sich bis zu 70 Meter in die Tiefe. Es rauscht und sprudelt. Gigantisch ! Einen ganzen Tag haben wir gebraucht, um die Rundwege auf der argentinischen Seite abzulaufen. Am Spektakulärsten fand ich den „Garganta del Diablo“, der Teufelsschlund, den größten der einzelnen Fälle. Zu ihm gelangt man über einen Steg, der über den Fluss führt. Mit Glück sieht man Affen und Tukane. Wir haben leider nur einen Kaimanen, viele Wasservögel und jede Menge bunte, zutrauliche Schmetterlinge gesehen.

Den zweiten Tag verbrachten wir auf der brasilianischen Seite der Fälle. Mit dem Bus ging es über die Grenze. Wir bekamen den argentinischen Ausreisestempel. Einreisestempel für Brasilien war nicht notwendig. Die Fälle waren auch auf dieser Seite beeindruckend. Danach ging es zur Grenzstadt Foz de Iguazú, die wesentlich größer und hässlicher ist, als das argentinische Puerto Iguazú.

Glücklich über das Erlebte, traten wir die Heimkehr an. Vorher holten wir uns aber wieder den Einreisestempel zurück. Die lange Fahrt (3.000 km) hatte sich gelohnt.

Tour 2: Rundfahrt Salta-Cachi-Cafayate-Salta

Wieder waren wir mit dem Leihauto unterwegs. Über eine teilweise waschbrettartige Piste ging es durch den Nationalpark Los Cardónes. Zu Abertausenden wachsen hier die Kandelaberkakteen, die teilweise über 10 m hoch sind. Über Payagosta erreichten wir Cachi. Ein ruhiger, überschaubarer Ort. Außerhalb von Cachi nächtigten wir in einer schönen abgelegenen Finca.

Über Seclantas und Molinos führte uns die Fahrt durch die Quebrada de la Fecha, eine farbenfrohe Felslandschaft mit kuriosen Felsformationen.

In Cafayate erreichten wir wieder Asphalt. Der kleine Ort liegt umgeben von unzähligen Weingärten. Hier wächst der bekannte Torrontés-Wein. Während Andi die Ruinen von Quilmes besuchte, erholte ich mich vom Reisen. Natürlich brachte Andi Weinflaschen mit. Er schaute sich eine Bodega (Weingut) an (mit anschließender Weinprobe) und konnte natürlich nicht widerstehen, einige Flaschen zu kaufen.

Wir fuhren auf guter Asphaltstraße durch die Quebrada de las Conchas Richtung Salta. Wieder sieht man verschiedene Felsformationen und Farben und eine sehenswerte Einzelschlucht, das „El Anfiteatro“. Nach einem kurzen Abstecher zum Stausee bei Cln. Moldes erreichten wir wieder Salta.

Tour 3: San Antonio de los Cobres – Tren a las Nubes

Wir wollten zum Viadukt La Polvorilla, eine Stahlspannbrücke für den legendären Wolkenzug, den „Tren a las Nubes“. 1921 wurde die Strecke unter hohen Kosten und technischen Schwierigkeiten hergestellt, um Salta mit den Minen im argentinischen und chilenischen Hochland zu verbinden. Heute fahren nur noch wenige Züge. Er ist zu einer teuren Touristenattraktion geworden. Die zum größten Teil asphaltierte Strecke führte uns neben den Bahngleisen auf einen über 4.000 m hohen Pass. Der Ort San Antonio de los Cobres ist ziemlich trostlos und staubig. Hier gibt es nur ein vernünftiges Hotel mit Restaurant (Hotel a las Nubes).

Nach dem Viaduktbesuch ging es auf gleichem Weg zurück.

Tour 4: Bergdorf Iruya

Andi ist alleine zum Bergdorf Iruya gefahren. Er musste dazu wieder fast bis zur bolivianischen Grenze zurück. Auf einer über 100 km (hin und zurück) langen

Off-Road Straße ging es wieder auf einen über 4.000 m hohen Pass. Auf endlosen Serpentinen erreichte er das Tal mit dem Bergdorf Iruya.

Nun sind wir beide wieder in Salta und ruhen uns aus für die nächsten Highlights.

                                                                                                      MICHAELA                   

   

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22.09. bis 11.10.04                                                                    44.150 bis 47.800 km

 

AUF NACH PATAGONIEN – FASZINATION WAL                                       

 

nach Cordoba

 

Diese Ruhe tut gut. Vorsaison im Nationalpark „Los Alerces“. Wir befinden uns im Nordwesten der patagonischen Provinz Chubut. Viele Kilometer, viele Erlebnisse, mal wieder…

Salta verlassen wir am 24. September in Richtung Cordoba. Noch nicht ahnend, wie weit es uns in den Süden führt. Tucuman ist rasch umfahren. Die Nacht verbringen wir im heißen Termas de Rio Hondo. Dennoch: Das Thermalbad auf dem Campingplatz lasse ich mir nicht nehmen. Abendessen: Grüner Spargel mit Vino Blanco – wie zu Hause.

Auch die Provinzhauptstadt Santiago del Estero liegt schnell hinter uns. „Feierabend“ nach über 400 Kilometern. Zeit für meinen ersten Matetee. Aus einem Holzgefäß (Kalebasse) schlürfe ich mit einem Saugröhrchen (Bombilla) mit heißem Wasser aufgebrühtes Matekraut (Yerba). An das bittere Lebenselexier der Argentinier muß ich mich erst noch gewöhnen.

Durch die westlich von Cordoba gelegenen Sierras erreichen wir Villa Carlos Paz, toll an einem Stausee gelegen. Mit dem Sessellift geht es nach oben. Toller Blick auf die Landschaft und in Michi´s weißes Gesicht.

Tagesausflug Cordoba: Typische Großstadt (vielleicht schon Großstadtmüde ?), viele Geschäftsstraßen, schöne (von innen) Kathedrale.

In Villa General Belgrano (Camping La Florida - toll) treffen wir erneut auf Franzi & Erich (www.el-amarillo.ch) aus der Schweiz (toll die Beiden wieder zu sehen). Anstatt auf das Oktoberfest zu gehen (die Stadt wurde von Deutschen gegründet), genießen wir ein fantastisches Asado – mehr als nur ein gegrilltes Stück Fleisch. In Argentinien ein Ritual über Stunden (Papa - machen wir auch !). Bei einer mexikanischen Zigarre mit Erich werden Pläne geschmiedet. Mit den Beiden ziehen wir 1.400 km nach Süden – Ziel: Peninsula Valdes.

 

4 Tage Wale, See-Elefanten und Pinguine

 

Die Bartenwale „Ballena Franca Austral“ halten sich zur Zeit vor der Halbinsel Valdes auf, um sich zu paaren und um ihre Jungen zu werfen. Länge 13 bis 16 Meter, Gewicht 30 bis 40 Tonnen ! Trotzdem gleiten diese faszinierenden Tiere fast schwerelos an dem Boot vorbei, herum und unten durch. Manchmal zeigen sie die waagerecht gestellte Schwanzflosse, stoßen eine Wasserfontäne in den Himmel, wuchten ihre Masse aus dem Atlantik. Sicherlich ein Höhepunkt, ohne Frage.

Auf der 230 km langen Inselrunde (gute Piste) sehen wir faule See-Elefanten, die ihre 4 Tonnen durch Sand und Kies robben, ehe sie minutenlang regungslos ausruhen. Immer im Blick – ihr Harem. Die kleinen Magellan-Pinguine blicken frech in meine Kamera (danke). Fuchs, Riesenhase, südamerikanischer Strauß (Nandu), Gürteltier, Vicuna, Schaf, Pferd – auch im Inselinneren gibt es immer was zu entdecken.

Über Trelew (Museum aus prähistorischer Zeit) und Gaiman (walisischer Ort) geht die Fahrt quer durch Chubut. Patagonische Pampa, diverse Valles, Wolken, Regen, Kälte – wir erreichen Esquel.

Im „Alerces NP“ ist das Wetter besser, keine Menschen, viele Vogelstimmen.

Doch: Welcher Baum ist eine Alerce ?                                              A N D R E A S

 

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12.10 bis 25.10.04                                                                    47.800 bis 49.600 km

 

„KANADA“ LÄSST GRÜSSEN                                    

 

Schöne Landschaft und „Shakira bleibt stecken“

Wir sind immer noch im Alerces Park und hängen unseren Gedanken nach. Die Erlebnisse der letzten Wochen waren einfach zu schön. Der Wal gehört ab sofort zu meinen 199-zigsten Lieblingstieren. Sein Schnaufen ist immer noch in meinen Ohren.

Wir fahren auf der „grünen“ Straße Richtung Bariloche. „Grüne“ Straße deshalb, weil sie nicht nur auf unserem Atlas grün eingezeichnet ist, sondern sie führt direkt durch den Wald, vorbei an Wiese, Berg und See. Es ist eine gute Schotterstraße. Die Landschaft ähnelt sehr  Kanada, doch wo sind meine geliebten Tiere? Die Bären, Elche? Während Shakira in unserem CD-Radio feststeckt, schaue ich aufmerksam nach Tieren. Aber außer dem „Tier“ neben mir entdecke ich keine Tiere.

Wir legten eine Übernachtung am „Lago Puelo“ ein. Hier ist es schon touristischer als im Alerces Park, aber da noch keine Saison ist, bleibt es ruhig, und wir dürfen umsonst nächtigen. Bevor wir aber schlafen gingen, befreiten wir Shakira unter größter Gewaltanwendung aus ihrem Verlies. Endlich spuckte das Radio die CD aus.

Bariloche

Weiter geht`s nach Bariloche, die Touristenhochburg im Lande. Wir müssen uns ein wenig beeilen, weil wir schon bald hohen Besuch erwarten. Unser („Schwieger“)-Papa kommt. Da er nicht nur diese anspruchsvolle Aufgabe hat, sondern auch noch „Webmaster“ und Mädchen für alles ist, wollen wir ihm diese Zeit besonders schön machen. Wir handeln nach dem Motto: Das Beste ist gerade gut genug.

Deswegen testeten wir schon mal die verschiedenen Lokalitäten, die vielen Pralinen, x-tausend Torten, geräucherte Forellenfilets, Lachs und den Irish Pub. Alles wurde für sehr gut und mal wieder für sehr kalorienhaltig befunden. Bei dem Sessellift waren wir ein wenig über die zulässige Tragkraft enttäuscht, aber lieber Henning, wir kriegen Dich schon irgendwie hinauf. Die Aussicht ist nämlich gigantisch. Weiter ging es nach Llao Llao, wo wir eine kleine Wanderung machten.

Mendoza

Drei Tage fahren wir von Bariloche nach Mendoza durch öde, langweilige Pampa. Wir nehmen den schnellsten Weg, weil es in Mendoza viel zu erledigen gibt. „Speedy“ bekommt einen General-Check und wird um einiges Zeug erleichtert. Wir misten nämlich aus. Meine Zähne bekommen auch ein Check, dass viele süße (leckere) Zeug geht natürlich nicht spurlos vorüber.

Nebenbei schauen wir uns die Stadt an. Sie hat eigentlich keine besonderen Sehenswürdigkeiten, dafür sind die Straßen voller Bäume und Blätter. Man kann also x-tausende Geschäfte abklappern, ohne einen Hitzschlag zu bekommen.

Ringsum Mendoza liegen die Weingüter, hier wächst der gute Wein. Er wird gekauft und sofort von uns vernichtet. Wäre ja auch zu schade, der gute Wein.

Heute mussten wir die Besitzerin vom Camping Suiza enttäuschen. Wie sie uns nämlich sagte, dass 60 Kinder kommen und drei Tage bleiben, war es bei uns aus, und wir zogen von dannen.

„Speedy“ bekam neues Öl, neue Bremsbeläge und wurde auf Herz und Nieren überprüft. Ihm fehlte zum Glück nichts. Die Mechaniker mussten am nächsten Tag trotzdem zu unserem Camping kommen. Warum? Sie hatten versehentlich zu viel Öl rein gegossen. Ja, ja wenn man nicht alles kontrolliert.

Auch mein Zahn (es war nur ein Loch), ist wieder O.K.. Der Arzt war genauso gut wie bei uns in Deutschland. Die Behandlung hat sage und schreibe nur 50 Pesos gekostet (ca.13 Dollar), inklusive Röntgenbild, Narkose und Behandlung.

Aconcagua

Nachdem wir alles erledigt hatten, ging es vorbei an der „Puente del Inca“ zum Aconcagua. Er ist mit 6962 m der höchste Berg Amerikas. Wir nächtigten auf knapp 3000 m. Leider hatten wir am ersten Tag Pech mit dem Wetter. Der Himmel war voller Wolken. In der Nacht stürmte es ziemlich, und ich hatte Angst, dass es uns die Fenster wegreißt. Unser „Haus“ wackelte hin und her. Am frühen Morgen fing es an zu schneien, es war bitter kalt. Wieder einmal waren wir froh so ein Luxusauto zu haben. Wir stellten einfach die Heizung an, und schon war es schön warm und gemütlich.

Klar, war Andi enttäuscht und jammerte: „Ausgerechnet jetzt muß es so schlecht sein, ich will doch den Berg sehen“ …..u.s.w. Der Himmel muß das Gejaule von Andi gehört haben, er trieb die Wolken so schnell weg und es kam strahlend blauer Himmel. Wie lange wird es wohl so bleiben? Jetzt war Andi im Stress und trieb mich an. „Schnell, der Berg ist frei. Bloß wie lange noch. Beeil dich doch ein wenig.“…u.s.w. Er sprang rum wie ein Wiesel. Völlig außer Atem kamen wir am Aussichtspunkt an. Andi freute sich wie ein Kind bei seinem ersten Fahrrad, und ich hechelte nach Luft. Aber trotz dem schönen Wetter wehte uns ein eisiger Wind um die Nase. Es blieb ein gigantisch schöner Tag. Einen großen Dank noch mal an Petrus.

Chilenische Grenze

Am anderen morgen fuhren wir über die Anden zur Chilenischen Grenze. Vorher versteckten wir aber unsere Leckereien, weil die Chilenen sogenannte Fruchtkontrollen machen. Nein, es wird nicht nach Drogen, Alkohol oder Waffen gesucht, auch Fußpilz und Sackläuse bleiben verschont. Sie sind scharf auf Obst, Gemüse, Milchprodukte, Kräuter und was ihn sonst noch gerade so einfällt.

An der Grenze konnte ich es kaum glauben. Wir hatten einen besonders unerfahrenen Kontrolleur erwischt. Er wusste gar nicht, was er suchen  oder uns wegnehmen sollte. Aber vielleicht war er von mir so geschockt. Der Arme. Er hatte matschige Profilschuhe an und ich sah rot. Ich sagte: „Stop, bevor sie reinkommen dürfen, lege ich den Teppich mit Plastik aus.“ Die anderen drei Männer standen draußen und schauten Andi mitleidig an und zwinkerten ihn zu. Andi nickte nur, ja er hat es nicht leicht mit so einer Furie und grinste in sich rein. Der Junge stand am Eingang wie angewurzelt und traute sich nicht mehr die Schränke aufzumachen. Er versuchte sein Gesicht vor den anderen zu wahren und sagte in strengem Ton: „Irgendwelche Früchte oder Obst“. „Si, Seňor“ und ich drückte ihm eine angeschnittene Zwiebel in die Hand, die ich als Köder ausgelegt hatte. Die wollte er aber nicht. Er sah schon an meinen Augen, dass ich keinen Widerspruch dulde. Also nahm er sie schüchtern an und ging. „Alles O.K.“ Wir konnten fahren. Die Salami, Butter und weitere „Drogen“, die ich im Kühlschrank als Köder ausgelegt hatte, sah er gar nicht.                                                                               M I C H A E L A

 

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22.11 bis 16.12.04                                                                    52.900 bis 56.900 km

PATAGONISCHES ARGENTINIEN – AM ZIEL

Auf langem Weg zum Perito-Moreno-Gletscher

Entlang dem Lago Buenos Aires geht die Fahrt weiter nach Osten zum Atlantik. Wir wollen unser WOMO nicht über die Straße „40“ quälen, entscheiden uns daher den Umweg über die Straße „3“ in Kauf zu nehmen. In Caleta Olivia haben wir Argentinien erneut durchquert, was ja wegen der Trichterform des Landes im Süden ein wenig schneller geht. Nun geht es südwärts. Papa und ich haben Mühe, auf der anfangs schlechten Straße „3“, das windanfällige WOMO durch die „Asphaltberge“ auf der Straße zu steuern – Schwerstarbeit am Lenkrad.

Versteinerter Wald, ein Puma und mehr, auf dem Weg nach Süden

Vorbei an Guanakos, Nandus (südamerikanische Straußenart) und Pampahasen erreichen wir auf guter Piste in einer bizarren Hügellandschaft den „Bosques Petrificados“. Wir werden gleich von zwei zutraulichen Graufüchsen begrüßt. Ein versteinerter Wald, was soll der Quatsch? Aber es stimmt, hier liegen überall 65 Millionen Jahre alte, versteinerte Baumstämme, mal größer mal kleiner. Durch Mineralien wurden sie im Laufe der Jahre zu Stein, freigelegt durch Erosion. Nur durch ganz genaues Hinsehen kann man erkennen, daß es kein Holz, sondern Stein ist. Es ist beeindruckend, denn schon die Dinosaurier haben von diesen Bäumen gefressen. Faszinierende Fotomotive.

Auf der Rückfahrt, erstarre ich auch fast zu Stein. Vor uns, keine 100 Meter weit entfernt, rennt plötzlich ein Puma über die Straße. Er war leider zu schnell für den Fotoapparat, und so genießen wir diesen seltenen Anblick. Wahnsinn !!

Nach einem Linseneintopf verbringt Papa seine schlimmste Nacht in einem üblen Schuppen auf einem Campingplatz.

Nächster Abstecher auf der stürmischen Ruta „3“ ist das Naturschutzgebiet „Monte Leon“. Wir schauen auf bizarre Felsformationen und auf zahlreiche Vögelschwärme.

Bei der Provinzhauptstadt Rio Gallegos, der am dünnsten besiedelten Provinz Santa Cruz , auf jeden Bewohner fällt 1,5 Quadratkilometer Land , biegen wir ab nach El Calafate.

Naturwunder Perito-Moreno-Gletscher

Ohne Frage, ein weiterer Höhepunkt unserer Reise. Über 60 Meter steigt die teils blaue, 4 Kilometer breite Eiswand senkrecht aus dem Lago Argentino empor. Der Gletscher ist einer der wenigen wachsenden Gletscher weltweit, da  er schneller nachfließt, als er unten am Ende abtaut. Dieses Abtauen macht sich bemerkbar, indem tonnenschwere Eisberge in den Lago Argentino abbrechen. Die diversen Aussichtsbalkone und eine Bootsfahrt an den Gletscherabbruch lassen uns staunend auf dieses Naturwunder blicken.

Wieder in Chile – Torres del Paine

In Puerto Natales befinden wir uns wieder in Chile. Wir sind auf der Suche nach freien Refugios, im überlaufenen, völlig überteuerten Nationalpark „Torres del Paine“. Wir finden noch eines für die dritte Nacht, also 2 weitere „Alkovennächte“ für Papa.

Auf guter Piste wird der Parkeingang an der Lagune „Amarga“ erreicht. An der alten, englischen Kolonialbrücke, die mit einer Durchfahrtsbreite von 2 Metern die einzigste Zufahrt zum Refugio „Las Torres“ ermöglicht, ist für uns Ende. Also bleiben wir für 2 Nächte vor der Brücke stehen, freie Betten hätte es ja sowieso nicht gegeben. 2 nette Deutsche nehmen uns in der Frühe mit zum Refugio (der ausgemachte und bezahlte Transfer kam natürlich nicht).

Eine wundervolle Wanderung bringt uns vorbei am Refugio „Chileno“ zum Mirador an der kleinen Lagune, am Fuße der 3 Torres-Türme. Wir beobachten eine Stunde das Wolkenspiel. Fast gespenstisch zeigt sich einer, dann zwei, bis schließlich alle drei Türme frei sind. Nachdem sie wieder hinter einer Nebelwand verschwinden, „klettern“ wir über Felsblöcke hinunter. Im Wald geht es zurück zum Refugio „Chileno“, dann weiter abwärts zum Ausgangspunkt.

Am nächsten Tag fordert Michi einen Ruhetag, da ihre Nachtruhe ein wenig eingeschränkt war (schnarch, schnarch). Mit Papa überquere ich in einem Catamaran den Lago „Pehoe“. Ziel ist das Refugio „Grey“ am gleichnamigen Gletscher gelegen, wo wir die Nacht verbringen.

Am folgenden Tag fahren wir noch bis zur „Puente Weber“, immer die „Grande Paine“ im Blick.

Papa erfährt am Pistenende, kurz vor Puerto Natales, dass sich auch ein 10 cm langer, stumpfer BOLZEN in den Reifen bohren kann. So haben wir Reifenpanne 2.

Die „Cueva del Milodon“ steht heute Vormittag auf dem Programm. Kapitän Hermann Eberhard entdeckt 1896 diese Höhle, in der er Knochen- und Fellreste eines 4 Meter großen Riesenfaultieres findet.

Nach 250 km ist Punta Arenas erreicht. Wir finden das neue, wirklich tolle, Hostal „AONIKENK“. In strategisch günstiger Lage befindet sich eine rekonstruierte Festung aus dem Jahre 1843 – „Fuerte Bulnes“.

Feuerland – wir kommen

Papa erfüllt sich seinen Traum, Feuerland zu erreichen. Natürlich ist dies auch für uns ein besonderer Augenblick, fahren wir doch seit letztem Juni diesem Ziel entgegen. Nun ist es nicht mehr weit bis Ushuaia, dem „Ende der Welt“.

Was passt an einem solchen Abend besser als Grünkohl aus Bremen ?

In Rio Grande treffen wir die Familie Mora. Papa und Mama lernten sie vor 13 Jahren auf Ihrer Silberhochzeitsreise in Mexiko kennen. Was die nächsten 2 Tage passiert, sprengt alle Erwartungen an die argentinische Gastfreundschaft. Wir werden von Omar, Magdalena, Francisco, Ignacio und Hilda verwöhnt. Nebst einer Citytour besuchen wir die Schafschuranlage auf der „Estancia Behety“ und die Salesianermission. Am nächsten Tag führen uns Omar und Magdalena in ihr Ferienhaus am Lago „Yehuin“. Nach einem „Traumasado“ wandern wir zur Biberburg und auf einen Aussichtsberg. Wildnis pur, ein Paradies am Ende der Welt. MUCHAS GRACIAS FAMILIA MORA !!!

Ab Tolhuin erleben wir 50 km Piste brutal, ehe uns eine neue Asphaltstraße nach Ushuaia befördert.

Heute ist mein Geburtstag und Papa´s letzter Tag mit uns. Wir besuchen das Museum „Fin del Mundo“ und machen am Nachmittag eine Bootsfahrt auf dem Beagle-Kanal zu den Seelöwen und Vögeln und zum legendären Leuchtturm. Ein tolles Fischgericht und eine Flasche Wein runden diesen Tag ab.

DANKE PAPA, WIR HABEN VIEL ERLEBT !!!

Nach 545 Tagen Ziel erreicht

Mit dem Bus fahren wir in den Nationalpark „Tierra del Fuego“. Vorbei an der Zugstation „Fin del Mundo“ erreichen wir die „Ensenada Bay“, wo sich die südlichste Poststation der Welt befindet. Über den Lago „Roca“ geht die Fahrt weiter zur „Lapataia Bay“. Erst wandern wir zum Mirador und dann zum legendären Schild,  das das Ende der Ruta „3“ markiert. Weiter geht´s nicht. Wir umarmen uns, sind stolz, nach 1,5 Jahren unser Ziel erreicht zu haben. Was haben wir alles erlebt ! 17.848 km bis Alaska, wir haben inklusive Leihautos 64.000 km zurückgelegt.

Vorbei an einen gigantischen Biberdamm erreichen wir wieder den Campingplatz am Rio Pipo. Bevor wir die südlichste Stadt der Welt verlassen, besuchen wir noch das Gefängnis, denn Sträflinge waren unter den ersten Bewohnern der Insel.

Wir statten der ältesten Estancia von Feuerland „Harberton“ einen Besuch ab. Unser Übernachtungsplatz in der Wildnis führt uns in drastischer Weise die Schäden der Biber vor Augen. Da der natürliche Feind fehlt, vermehrt sich der Nager und „fällt“ fast alle Bäume. Vorbei an einigen vom Winde gekennzeichneten Bäumen, quälen wir WOMO wieder bis Tolhuin. Am Nachmittag ist wieder Rio Grande erreicht. Die Suche nach einem Blumengeschäft gestaltet sich als äußerst langwierig. Wieder statten wir den Mora´s einen Besuch ab. Wieder werden wir verwöhnt, unglaublich.

Nach einem Ölwechsel treten wir die Rückfahrt an. Kurzbesuch in Chile, Fährfahrt auf das Festland, Stellplatz an einem Hotel neben „Rotel-Tours“. Über Rio Gallegos erreichen wir zum zweiten Mal El Calafate.

Weihnachten wollen wir in El Chalten am Fitz Roy verbringen.             A N D R E A S

 

WIR WÜNSCHEN EUCH ALLEN EIN FROHES WEIHNACHTSFEST UND

EIN GUTES NEUES JAHR 2005.

VIELEN DANK FÜR DAS ENTGEGENGEBRACHTE INTERESSE, WIR SIND STOLZ AUF EUCH…

                                   

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17.12.04 bis 05.01.05                                                                 56.900 bis 60.350 km

FITZ ROY UND CERRO TORRE

Wind, Wind, Wind

Eine ziemlich holprige Piste führte uns von El Calafate nach El Chalten. Wir staunten nicht schlecht, als an der Abzweigung nach El Chalten richtig guter Asphalt vor uns auftauchte. Aber das Glück hielt leider nur 47 km an, dann holperten wir weiter nach El Chalten.

Ja, ja, der liebe Wind in Patagonien.... Hier in El Chalten lernten wir ihn so richtig kennen. Unser Küchenfenster brach ab, und der aufgewirbelte Sand suchte sich seinen Weg. An Wandern konnte man nicht denken. Die Berge waren voller Wolken, und der Wind ließ nur beschwerlich einen Schritt nacheinander setzen. Was jetzt tun?

Uns blieb nichts anderes übrig, als im Auto zu bleiben, Filme zu schauen und zu warten.

Hier nun ein kurzes patagonisches Wettertagebuch:

20.12. Der Wind bläst kräftig an unser „Haus“. Berge voller Wolken. Ab und zu 

regnete es, aber auch der aufgewirbelte Sand prasselte hin und wieder auf`s Dach. Andi fluchte den ganzen Tag, er hat sich doch so auf den Fitz Roy und Cerro Torre gefreut. (Fluch, Schimpf, Brüll).

21.12. Mindestens 12 Stunden geschlafen. Topfit. Berge in den Wolken.

Küchenfenster verabschiedet sich. Scheiß Wind !!!              

22.12 Windstill. Es gießt in Strömen. Andi repariert Küchenfenster (Er hat sich

mittlerweile beruhigt.) Morgen fahren? Ja - Nein?

23.12. Andi weckt mich morgens um 5:00 Uhr („Gähn, was is´n los? Spinnst Du

jetzt?“) Wo sind die Wolken? Sonne scheint. Himmel strahlendblau. Berge absolut frei. Zum Aussichtspunkt Cerro Torre und zur Laguna Torre gewandert. Abends Edith, Heiko, Tobias (4J.) aus Halle kennengelernt. Sie sind insgesamt 8 Monate als Backpackerfamily unterwegs.

24.12. Gigantisch schönes Wetter. Wanderstiefel an und von der Hosteria Pinochet

zur Lagune „Los Tres“ am Fitz Roy gewandert. Leichter Weg mit traumhaften Ausblicken. Letzter Teil ziemlich steil (mir ging die Puste aus). Insgesamt 6,5 Stunden gebraucht. Abends mit Edith, Heiko und Tobias „Weihnachts-Assado“ gemacht.

25.12. Gigantisch schönes Wetter. Muskelkater. Relaxen. Diverse Telefonanrufe.

Abends Pizza essen. 

26.12. Gigantisch schönes Wetter. Andi hat Erkältung. Allein zur Lagune Capri. Zwei

Spechten beim „arbeiten“ zugeschaut.                   

27.12. Gigantisch schönes Wetter. Fahren heute, leider. Nehmen Straße 288 - gute

Piste. Treffen Rotel-Tours mitten in der Pampa. Wir nächtigen an der Piste.

 

So, der weitere Verlauf unserer Reise ist eigentlich ziemlich schnell erzählt. Wir sind ja quasi auf dem Heimweg, und so fahren wir jeden Tag einige (viele) Kilometer, um rechtzeitig in Buenos Aires anzukommen. Ab und zu machten wir noch klitzekleine Abstecher, wie z.B. nach Puerto Julian oder zur kleinen Küstenstadt Puerto Deseado. Das kleine Örtchen bietet geführte Touren mit einem Schlauchboot an. Den Spaß ließ sich Andi natürlich nicht nehmen. So kam er in den Genuss nicht nur die üblichen Tiere wie Seelöwen, Pinguine und Cormorane zu bestaunen, sondern er sah auch Schwarz-Weiße Delphine. Mhm?!? Erst dachte ich, er hat zuviel Sonne abbekommen und meinte, er hätte nur eine schwimmende Kuh gesehen, weil Delphine sind ja eher einfarbig und gräulich. Aber nachdem es andere auch behauptet haben, muss ich´s wohl glauben.

Die Fahrt am anderen Morgen machte meinem „Fahrer“ schwer zu schaffen. Der Wind versuchte unser Auto ständig von der Fahrbahn zu drängen, und die Luft wurde mit jedem Kilometer wärmer. Wir entschlossen uns in dem Küstenort Las Crutas (bei San Antonio Oeste) zu nächtigen. Hier waren wir vor einigen Monaten schon mal, und es hat uns eigentlich ganz gut gefallen, weil es sehr ruhig war. Anders jetzt. Der kleine Ort platzte aus allen Nähten. Ganz Argentinien macht im Januar und Februar große Ferien. Alle Campings waren gesteckt voll, und vor lauter Leute sah man den Strand nicht mehr. Mit Erlaubnis der Polizei durften wir auf einem abgelegenen Sandhügel nächtigen und den Trubel von weitem aus beobachten.

Silvester verbrachten wir in Playa Union bei Rawson. Partystimmung kam nicht so recht auf, zwei Leute sind einfach zu wenig. So stießen wir nach deutscher Zeit auf das neue Jahr an und gingen rechtzeitig ins Bett. Erst um zwölf machten uns die Raketen und Knaller aufmerksam, dass jetzt auch hier ein neues Jahr beginnt.

Natürlich mussten wir auch dorthin: Mar del Plata. Für viele die Urlaubsstadt schlecht hin, für mich ein purer Horror. Der größte Badeort Argentiniens hat an Wochenenden knapp eineinhalb Besucher und mehr. Auf dem Camping El Faro, kurz vor der Stadt, bekamen wir noch ein freies Plätzchen. Und nun eine kleine Geschichte aus Andis Lieblingsbuch „Struwwelpeter“ – „Ich esse meine Suppe nicht“: Was passiert, wenn zwei sture Esel aufeinander treffen? Genau, im leichtesten Fall eine riesige Diskussion. So, auch in diesem Fall. Der Campingbesitzer verlangte doch tatsächlich, dass Andi sein Eintrittsbändchen an die Hand anlegen muß. Andi: „Nein, ich mach das Band nicht um.“ Campingbesitzer: „Doch du musst, sonst laß ich Dich nicht wieder rein“ Andi: „Ich habe aber bezahlt, also komm ich rein.“ So ging es hin und her, und wenn sie nicht gestorben sind…. Das Taxi unterbrach zum Glück dieses Affentheater und fuhr uns nach Mar del Plata. Andi kam übrigens abends ohne Probleme rein, er trug das Bändchen zwar nicht an der Hand, sondern pappte es an die Stirn. Ende gut, alles gut.

Wir fuhren am nächsten Tag nach Punta Lara bei La Plata. Jetzt waren wir nur noch 60 km von unserem Ziel Buenos Aires entfernt. Hier stellten wir uns auf einen der zahlreichen Campings und fuhren mit dem Bus über La Plata nach Buenos Aires.

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06.01. bis 01.02.05                                                                 60.350 bis 60.400 km

DIE REISE NEIGT SICH DEM ENDE ZU                           Plus Leihauto 1200 km    

La Plata

Während Andi noch mal für eine Woche „geschäftlich“ nach Ecuador musste, verweilte ich in der Zeit in La Plata (ca. 60 km südlich von Buenos Aires) auf einem Campingplatz in Punta Lara. Da Urlaubszeit ist, kam ich in den Genuss, das Leben der Argentinier hautnah mit zu erleben. Der Platz war gesteckt voll, und unser Auto war eingekreist von Menschen und Zelten. Nach nur zwei Tagen hatte ich auf gut deutsch die Nase gestrichen voll. Der erhöhte Geräuschpegel und der ständige Grillgeruch ging mir ziemlich auf den Wecker. Unter uns gesagt: Ich fühlte mich in den ersten Tagen wie ein Fremdkörper auf diesem Platz. Die Feuer wurden in der Früh um 8:00 Uhr geschürt, begleitet wurde dies durch ziemlich laute Musik, immer im gleichen Takt (bum, bum, bum) und hörte erst spät in der Nacht auf. Da aber jede Familie ihre eigene Musik hören wollte, glich der Platz einer Art Volksfest. Durch dieses Rauch- und Musikfestival rannten die vielen kleinen und großen Kinder. Sie spielten, lachten, kreischten und heulten um die Wette. Ab und zu flogen die Fuß- oder Volleybälle zu mir rüber oder auf das Dach von „Speedy“. Es störte mich einfach alles. Der viele Müll oder auch einfach nur das harmlose Glotzen der männlichen Bevölkerung. Um die restlichen Tage zu überstehen, passte ich mich notgedrungen an. Oft saß ich im Auto mit voll aufgedrehtem Radio und hörte meine Musik. Ich hörte sie so laut, daß ich von draußen nichts mehr mitbekam. So ging die Woche auch  rum.  

Andi kam aus Ecuador zurück, und wir verschwanden am nächsten Tag in die Großstadtmetropole Buenos Aires. Hier fanden wir einen kostenlosen und bewachten Parkplatz direkt am Yachthafen und nahe der Fährgesellschaft „Buquebus“. Diese brachte uns am anderen Morgen in drei Stunden nach Uruguay.

 

Abstecher Uruguay

 

Uruguay oder auch „Urúúú-huaschsch“ ausgesprochen, ist nach Surinam das kleinste Land Südamerikas. Wir besuchten die sehr schöne Altstadt von Colonia und die Hauptstadt Montevideo. Hier nahmen wir uns für 4 Tage ein Leihauto und fuhren die Küste entlang. Vorbei an den Touristenorten Pirapolis, Punta del Este und dem netten Badeort  Punta Diablo ging es zum Grenzort Chuy.

Am anderen Tag zog es uns ins Landesinnere, und so fuhren wir zur Stadt mit dem seltsamen Namen „Treinta y tres“ (33). Hier besuchten wir die nahe gelegene „Quebrada de los Cuervos“, die Rabenschlucht. Das heißt: Nur Andi besuchte sie und ich blieb am Auto. Warum? Es war an diesem Tag mal wieder ziemlich heiß, und der Wärter der Schlucht sagte zu uns, es sei zu gefährlich, in die Schlucht zu gehen, weil es jederzeit irgendwo anfangen kann zu brennen. Das leuchtete mir ein, nur Andi nicht (ist ja klar!). Während der Wärter wild auf mich einredete, ich soll Andi doch zur Vernunft bringen, war dieser schon längst los marschiert und über alle Berge. Außerdem weiß jeder der Andi kennt, wie starrköpfig er ist und man eher eine Kuh zum Sprechen bringt, als das man Andi umstimmen kann. Da ging er also hin, mein (hirnloser) tapferer Held. Ich vertrieb mir die Zeit mit Warten, Lesen und der Überlegung, wie ich am besten Andis Asche transportieren kann.  

Nach einer Stunde kam der Geist von Andi zu mir zurück. Nein, kein Geist! Andi höchstpersönlich, und er jammerte, weil er sich einen Sonnenbrand geholt hat. Feuer hat er keines gesehen. Wir fuhren. Nach nur zwei Kilometern sahen wir Rauch, er kam von der Schlucht. Abends sahen wir im Fernsehen, daß es im ganzen Land brennende Stellen gab. Kein Wunder bei diesen Temperaturen!

Das Landschaftsbild im Landesinneren ist nicht sehr abwechslungsreich. Weite Wiesen, Weiden und Kühe, wohin das Auge blickt. Die höchste Erhebung Uruguays ist der „Cerro Catedral“ mit seinen 513 m. Die Hauptstraßen sind gut und asphaltiert. Viel gibt es hier nicht zu sehen, und so fahren wir wieder zurück nach Montevideo. Neben einem Wasserfall besuchte Andi noch die Grotte im „Cerro Arequita“.

Montevideo reizt uns nicht zum Bleiben, und so fahren wir weiter nach Colonia. Vorher heißt es aber ein weiteres Abenteuer in Sachen „Südamerika“ zu bestehen. Wollt ihr die Geschichte hören? Also gut: Wir kauften ein Busticket nach Colonia im Busterminal. Der Bus soll um 11:30 Uhr am Gleis 11 abfahren. Wir fragten sicherheitshalber die herumstehenden Beamten, ob wir richtig stehen. Wir warten, und kein Bus kommt. Um 11:45 Uhr sagt uns ein anderer Beamter, daß der Bus nach Colonia von Gleis 14 abgefahren ist. Prima! Am Schalter sagt die Ticketverkäuferin zu uns, dass sie uns das falsche Gleis gegeben hat. Kann ja mal passieren, aber ich finde, sie hätte trotzdem ein kleines „Entschuldigung“ murmeln können. Eine deutsch sprechende Argentinierin fragte uns, ob wir nicht wüssten, wo wir hier sind: „Sie sind in Südamerika.“ Ja, das wissen wir. Wir sind ja schon lange unterwegs, aber wir werden uns nie daran gewöhnen. Also gut. Wir warten eine weitere Stunde. Diesmal soll er von Gleis 1 fahren. Wir stehen und warten. Busse kommen, aber nicht unserer. Es ist 12:30 Uhr. Wo ist der Bus? Eine Frau fragt uns, wo wir hin fahren wollen. Sie sagt uns, dass der Bus am Gleis 25 steht, wir sollen uns beeilen, weil er gleich abfährt. Wir rennen. Geschafft!

Ich bin urlaubsreif. Urlaub in Deutschland. Ich freue mich drauf.

 

BUENOS AIRES

 

Da es auf dem Parkplatz am Yachthafen keine Duschmöglichkeit gibt, gingen wir für die restlichen Nächte in ein Hotel. (Hotel Marbella, Avenida de Mayo 1261, gutes Preis-Leistungsverhältnis, sauber, deutsch- und englischsprachig, zentral, Zimmer zum Hof sind leise).

Klar klapperten wir alle Sehenswürdigkeiten ab, besuchten die Stadtteile San Telmo mit seinem Flohmarkt und Tangotänzern, La Boca mit seinen bunten Häusern und das Grab von Evita auf den Friedhof Recoleta.

Restaurants, Cafe´s und Bars gibt es in Hülle und Fülle. Aber nicht für mich. Ich bin auf Diät. Ich habe auf dieser Reise kräftig zugenommen. Andi nicht, das ist gemein. In Ushuaia zeigte die Waage 6 Kilo zuviel an, seitdem esse ich mit angezogener Handbremse.

Wir besuchten ein Konzert, „Alan Parsons Projekt“. Die ausverkaufte Halle tobte, es war einfach Klasse. Ein schöner Abschluss für unsere Reise.

Buenos Aires ist natürlich auch die Tangostadt schlechthin. Überall hört man Tangoklänge und oft sieht man auch Tänzer. Das genügt uns aber nicht, und so besuchten wir eine Tangoshow im traditionsreichen Café Tortoni.

Am letzten Tag erlebten wir noch eine Führung im großartigen Theater Colon.

Morgen geht mein Flug. Andi fährt 2 Tage später mit unserem treuen Freund „Speedy“ mit einem Frachter über den Atlantik.

Flugangst? Nein, ich doch nicht. Ihr kennt mich doch. (Na gut, ein klein wenig. Zitter, zitter, zitter).

Es ist unser vorletzter Bericht und mein letzter. Traurig sind wir nicht. Wir freuen uns auf einen neuen Lebensabschnitt, auf neue Aufgaben, auf die Familie, auf die vielen Fotos die Andi geschossen hat und natürlich auf die nächste große Reise, in vielleicht 5 Jahren. Ich bereue keine Sekunde, wir haben unseren Traum gelebt. Nur die Zeit dieser Reise war einfach zu kurz. Einige Jahre mehr wären besser gewesen.

Ein großes Danke an Euch, daß ihr unsere Reise so zahlreich mitverfolgt habt.

Andi wird eine Diaschau vorbereiten. Termine könnt ihr später auf dieser Seite abrufen. Vielleicht habt ihr ja Interesse, uns mal persönlich kennen zu lernen. Wir würden uns freuen. Gerne geben wir euch auch Tipps, aber wartet bitte, bis wir heimgekehrt sind, in die (für uns) neue, andere Welt.

Wir haben es geschafft - ihr könnt es auch schaffen. Der letzte Bericht kommt von Andi, vorausgesetzt das Schiff geht nicht unter. Darin erfahrt ihr, wie er die 4 Wochen auf See verbracht hat. Wird sich mein heimlicher Wunsch erfüllen und er sich die Kloschüssel von innen anschauen? Ihr wisst ja noch damals auf Galapagos: „…alles nur psychisch….“.                                                                                        M I C H A E L A

 

 

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02.02. bis 05.03.05                                                                  60.400 bis 61.000 km

 

DIE HEIMREISE

 

Warten auf die „Grande Buenos Aires“

 

Noch 3 Tage verbringe ich in Buenos Aires. Wenig spektakulär. Ich halte mich meistens in der Fußgängerstraße „Florida“ auf, verweile bei den Tangodarbietungen und frage bei der zuständigen Vertretung der Frachtlinie Grimaldi nach dem aktuellen Ankunftstag des Schiffes. Am 5. Februar soll ich um 10 Uhr am Hafen sein.

Pünktlich bin ich dort. Doch die „kluge“ Polizei verwehrt mir den Zugang mit der Begründung, das Schiff komme erst morgen. Enttäuscht ziehe ich davon. Internet, Telefon, doch am Samstag ist es schwer, jemanden zu erreichen. Etwas treibt mich zum Hafen zurück. Die immer noch „kluge“ Polizei lässt mich bis zum Hafentor durch. Dann glaube ich, meinen Augen nicht zu trauen. Ich erblicke die mächtige Wand der „Grande Buenos Aires“. Um es vorweg zu nehmen: Hätte ich auf die Polizei gehört, dann hätte die „Grande Buenos Aires“ ohne mich abgelegt. Doch zum Glück habe ich auf dieser Reise gelernt, keinem Polizisten zu glauben, egal aus welchem Land er ist. Dann dauert es noch eine Weile, bis der Agent endlich kommt, denn es ist ja Samstag. Endlich erklärt sich eine Frau bereit, WOMO zu durchsuchen (5 Minuten).

Mein Auto-Einreise-Formular wird einbehalten, ich bekomme eine abgestempelte Kopie. Meinen Ausreisestempel soll ich an Bord bekommen. So ist das Hafentor für mich geöffnet, ich werde zum Schiff gebracht.

Wenig später steht WOMO im Bauch des Frachters auf Deck 6, und ich bin in meiner Innenkabine auf Deck 12. Es ist 12 Uhr, also Mittagessen. Ich soll mich gleich an den geregelten Tagesablauf gewöhnen und auch an das 4 gängige Menü.

Die „Grande Buenos Aires“ ist ein 214 Meter langer Frachter, angetrieben von über 18 Tausend Kilowatt. 3515 Autos und 1321 Container finden Platz. Mit 19 Knoten verkehrt das Schiff der „Grimaldi-Line“ ständig zwischen Südamerika, Westafrika und Europa. Die 28 Männer an Bord werden angeführt von Kapitän Bellabuono, natürlich aus Italien, 53 Jahre alt und mehr auf seine Fracht, als auf seine Passagiere konzentriert (was ich auch verstehen kann). So wundert es mich, dass ich der einzige Passagier mit Auto bin. Die 6 anderen Passagiere (England, Schweden, Südafrika) sind zusammen 459 Jahre alt und machen eine 2 Monate dauernde „Kreuzfahrt“. Die Mannschaft besteht neben Italienern aus Indern und Rumänen. Herausragend ist der Steward „Carlos“ aus Goa, er ist „Mädchen“ für alles. Auch der (natürlich) italienische Koch „Massimiliano“ versteht sein Handwerk.

Am 5. Februar um 22 Uhr sticht die „Grande Buenos Aires“ in See.

 

Landgänge Rio Grande, Paranagua und Santos

 

Wenig spektakulär, doch eine Abwechslung vom (langweiligen) Schiffsalltag. Vor dem brasilianischen Rio Grande müssen wir 55 Stunden ankern. Es ist zu stürmisch für die schmale Hafeneinfahrt. Mir bleibt nur eine Stunde, trotzdem komme ich mal raus. In Paranagua verbringe ich 90 Minuten. Es ist schon Nacht. Nach dem Internet zieht es mich an den Fluss, wo ich ein brasilianisches Bier trinke. Ein junger Mann setzt sich an meinen Tisch. Er erzählt aus seinem Leben. Für seine Kinder braucht er Milch, doch erst morgen bekommt er Gehalt. Ich gebe Ihm einen Dollar. Am nächsten Tag sehe ich bei der Hafenausfahrt 3 Delphine. In Santos bleibt mir endlich mal mehr Zeit. 3 Stunden streife ich durch diese brasilianische Hafenstadt.

 

Rio de Janeiro

 

Um 8 Uhr erreichen wir das im Morgendunst liegende Rio de Janeiro. Viele behaupten ja, ich befinde mich nun in der schönsten Stadt der Welt. Mir bleiben 6 Stunden um dies zu erleben. Der freundliche Agent nimmt mich mit. In der City nehme ich ein Taxi für die ganze Zeit (40 Dollar), denn ich will keine Zeit verlieren. Erster Halt am Hotel „Copacabana Palace“. Ich schlendere eine halbe Stunde entlang an dem berühmtesten Strand der Welt. Bevor es weiter geht, trinke ich noch die  Milch aus einer echten Kokosnuss. Weiter zu 2 Aussichtspunkten „Mirante Pasmado“ und „Mirante Dona Marta“. Ich blicke auf eine traumhafte Hügellandschaft, in die sich immer wieder Buchten ergießen. Strände, Hochhäuser, hinter mir der Corcovado, mit seiner berühmten Christusfigur, vor mir der weltbekannte Zuckerhut. Leider ist es ein wenig dunstig, trotzdem erblicke ich die „Grande Buenos Aires“. Natürlich lasse ich den Zuckerhut nicht aus. Eine Seilbahn bringt mich auf den 395 Meter hohen „Pao de Acucar“. Wieder ein Traumblick. Unter mir erblicke ich die Bergsteiger, die den Klettersteig auf den Zuckerhut wagen. In der „Praca Floriano“ teile ich (per Telefon) meine Freude mit meinen Liebsten zu Hause. Schade, Michi wäre so gerne in Rio gewesen. Aber ich verspreche: Auch mein Schatz wird auf dem Zuckerhut stehen. Um 16 Uhr bin ich pünktlich auf dem Schiff, allerdings legen wir erst um 18:30 Uhr ab. In der Abendstimmung zieht noch einmal die ganze Szenerie an meinen Augen vorüber. Rio, ich habe Dich gesehen. Es gibt viel Traumstädte auf dieser Erde, ich denke Rio besticht durch die traumhafte Hügellage am Atlantik.

 

Über den Atlantik nach Dakar

 

Eine Woche sind wir unterwegs, bis wir Westafrika erreichen. Die Tage ähneln sich:

08 Uhr: Frühstück (Brötchen, Cornflakes, Wurst, Kaffee)

11 Uhr: Fitness (7.5 km Radfahren)

12 Uhr: Mittagessen (Pasta, Fisch, Fleisch, Salat, Obst, Rotwein)

15 Uhr: Kaffee

17 Uhr: Bier auf dem Deck

18 Uhr: Abendessen (Suppe, Fleisch, Gemüse, Obst/Eis, Rotwein)

Dazwischen: Lesen, Bilder/Filme schauen (Laptop), Malen, Deck sitzen, Mails schauen, Mails schreiben, dumm rumschauen…

Am 20. Februar um 8 Uhr erreichen wir Dakar im Senegal. 5 Stunden bleiben mir. Genug, um sich der zahlreichen Händler zu erwehren. Ich befinde mich in einer für mich fremden Welt. Es ist doch so unterschiedlich, als die vielen amerikanischen Länder. Zeitweise werde ich begleitet, natürlich in einen Laden geführt. Ich kenne diese Spielchen, doch habe sie in Amerika nie erlebt. Erst jetzt sehe ich, wie frei und ungezwungen wir leben durften. Leider verspüre ich eine innere Spannung zwischen den hier lebenden schwarzen Menschen und mir, dem weißen Außenseiter. Mein Begleiter sagt zu mir: „Egal ob Schwarz oder Weiß, alle haben das selbe Blut, und das ist Rot“. Trotzdem ist es ein beeindruckender Gang durch die City von Dakar. Gegen 22 Uhr brechen wir auf nach Bilbao/Spanien.

 

Nordwärts und eine Idee

 

Mit jedem Seetag wird es kälter. Das Meer ist ruhig, meist scheint die Sonne.

Michi hat am 1. März Geburtstag. Wenn ich in Bilbao von Bord gehe, kann ich an diesem Tag zu Hause ankommen. Bleibe ich, komme ich wohl mindestens 5 Tage später an. Ich erspare mir eine zusätzliche Seewoche mit Halt in Tilbury/England.

Die Heimfahrt durch Frankreich ist etwa doppelt so lang, als von Hamburg. Ich wage es. Kapitän Bellabuono hat bereits meine „Freilassung“ in Bilbao beantragt. Ein wenig Sorgen bereitet mir die momentane Schneemenge in Europa, muß ich doch die „Pyrenees“ überqueren, Frankreich und den Schwarzwald durchqueren.

Der Kapitän teilt mir mit, ich kann in Bilbao das Schiff verlassen. Allerdings arbeitet der Zoll am Wochenende nicht. Ich bekomme WOMO erst am Montag (einen Tag vor Michi´s Geburtstag) aus dem Hafen. Ich informiere meine Familie. Alle raten mir bis Hamburg zu fahren. Europa versinkt im Schnee. Das Risiko ist zu groß, zumal WOMO vorne recht abgefahrene Reifen hat. Also war es wohl doch keine so gute Idee. Ich informiere Kapitän Bellabuono und erlebe eine langweilige Seefahrt nach Bilbao. Es wird kälter und kälter.

 

Bilbao, London und endlich Hamburg

 

Wieder müssen wir einen Tag ankern und abwarten, bis die „Grande Argentino“ aus dem Hafen ist. 2 Stunden laufe ich nach und durch Santurtzi, nach Bilbao müsste ich eine halbe Stunde mit dem Zug fahren. Gestern Nachmittag hatten wir noch die Sonne auf dem Deck genossen. Heute ist es bewölkt, 6 Grad. Dennoch genieße ich nach einer Woche Seefahrt jeden Schritt. Es ist (mal wieder) Sonntag, alles hat geschlossen. Internet ist nicht zu finden. Um 14 Uhr setzt sich das tonnenschwere Schiff laut hupend in Bewegung. Wir steuern den Englischen Kanal an.

Tilbury ist erreicht. Sofort suche ich eine Telefonzelle auf, denn heute hat Michi Geburtstag. Es tut gut, mal wieder mit Zuhause zu plaudern. Die Mannschaft hat 35 Stunden lang Cargoarbeit zu verrichten. So habe ich die Chance einen Tag London zu erleben. Ein moderner Zug bringt mich in 45 Minuten in die britische Hauptstadt. Ich stehe neben dem Tower und der Towerbridge. Auch bei mäßigem Wetter ist es ein Genuss an der Themse entlang zu schlendern. Ich laufe bis Westminster, erblicke den Big Ben und gehe weiter über Piccadilly Circus zum Trafalgar Square. In der Nationalgalerie bestaune ich einige Gemälde. Im englischen Pub nebenan trinke ich ein Bier. Pünktlich zum Dinner bin ich wieder auf dem Schiff. In der Nacht legen wir ab, mit dem Ziel Hamburg.

Dieses ist am nächsten Morgen erreicht. Auf dem obersten Deck weht die deutsche Fahne, ich bin zu Hause. Doch in keinem anderen Land lässt mich die „Immigration“ länger warten. Der Zoll kommt mit einem Drogenhund an Bord. Alle Kabinen werden durchsucht. Nachdem ich endlich meinen Pass von den Männern der „Immigration“ bekommen habe, fangen mich die „Zollmänner“ ab. Sie führen mich zu einer riesigen Röntgenanlage. Ich greife gerade noch Filme und Laptop, und schon befindet sich WOMO in dieser dunklen Röhre. Noch nicht genug, auch der Hund darf noch einmal schnüffeln. Kein Rauschgift. Später lese ich in der Zeitung, dass auf dieser Anlage kürzlich ein LKW mit 90 kg Rauschgift ertappt wurde. An Rampe 3 wird mir nach entsprechender Wartezeit die Wiedereinfuhr auf dem Carnet bescheinigt.

Endlich bin ich auf der A7 Richtung Hannover.

 

Angekommen

 

Nach einer (vorerst letzten) Nacht im WOMO (am Autohof Alsfeld, Wurstsalat und 2 Weizen) stehe ich nach 623 Kilometern vor dem  Ortsschild meiner Heimatstadt Vellberg. Diese Reise ist jetzt wohl Vergangenheit, aber PANAMOBIL wird weiterleben. In den Diavorträgen und in neuen Reiseideen. Wir wollen mehr. Diese Reise ist eine Investition für unser Leben. Wir freuen uns auf Euch. Die Premiere der Diaschau findet am 30. September um 20 Uhr in der Hospitalkirche in Schwäbisch Hall statt. Es folgen 50 weitere Termine in Baden Württemberg und Bayern (demnächst auf unserer Homepage).

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Stationen der Seefahrt

 

05.02.             Buenos Aires (Argentinien)

09.02.             Rio Grande (Brasilien)

10.02.             Paranagua (Brasilien)

12.02.             Santos (Brasilien)

13.02.             Rio de Janeiro (Brasilien)

20.02.             Dakar (Senegal)

26.02.             Bilbao-Santurtzi (Spanien)

01.03.             London-Tilbury (England)

04.03.             Hamburg (Deutschland)       

 

Ein wenig Statistik über Südamerika:

 

Reise vom 07.04.04 bis 05.02.05

310 Tage

25.000 km

15 Reiseberichte

4.200 Dias

1.500 Digitalfotos

keine Autopanne

keine Krankheiten (Michi Zahnarzt, Klinik)

keine Überfälle

keine Grenzprobleme

 

Ecuador:        58 Tage,  2.100 km,  36 km/Tag

Peru:              56 Tage,  4.400 km,  79 km/Tag

Bolivien:         33 Tage,  3.250 km,  98 km/Tag

Argentinien: 123 Tage, 19.200 km, 156 km/Tag

Chile:              32 Tage,  4.450 km, 139 km/Tag

Uruguay:          8 Tage,  1.200 km, 150 km/Tag

 

Gesamtstatistik:

 

8.000 Dias

3.900 Digitalfotos

69.000 km Gesamtstrecke, davon 61.000 km mit WOMO und 8.000 km mit Leihautos

629 Tage unterwegs (16.06.03 bis 05.03.05)

3 mal beim Arzt (Michi)

14 besuchte Länder: weniger als 1 Monat - Nicaragua, Belize, Uruguay, Honduras

                                      mehr als 1 Monat - Costa Rica, Chile, Bolivien, Guatemala,

                                                                      Kanada, Peru, Ecuador, Mexiko

                                     mehr als 2 Monate - USA mit Alaska, Argentinien

483 km Tagesrekord mit WOMO am 03.01.05

2 totale Reifenpannen am 19.11.04 bei Puyuhuapi in Chile

                                    am 02.12.04 bei P. Natales in Chile

sonst KEINE Probleme mit WOMO (danke FORD)

keine Überfälle, Diebstähle

 

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