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REISEBERICHT
ALASKA(USA)
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| Neu : Die Bären Nr.2 9.9.2003 |
Endlich Alaska Nr.1 18.8.2003
06.08. bis 13.08.03 8.800 bis 9.960 km
Die Pässe bitte ! Wie lange bleiben Sie ? Wo verlassen Sie die USA ?
Ohne Stempel im Pass betreten wir den größten Bundesstaat der USA. Im Jahre 1867 zahlten die Amerikaner für das „Land der Extreme“ schlappe 7,2 Mio. Dollar an die Russen. Im Reiseführer lese ich: „Paukenschlag der Natur“. Wir sollen dies noch erleben.
Wie auf dem „Top of the World Highway“ werden wir auch auf dem „Taylor Highway” kräftig durchgeschüttelt. Maximal 25 Stundenkilometer mute ich dem Auto zu, denn Feuerland ist noch weit. Durch die langsame Geschwindigkeit können wir die Naturgewalt tiefer in uns aufsaugen. Auf der Straße erkennen wir eine Goldwaschanlage aus der Zeit des Goldrausches, als es Ende des 19. Jahrhunderts Glücksritter aus aller Welt an die Flussufer Alaskas und des Yukon zog.
Wir erreichen „Downtown“ Chicken – Shop, Cafeteria, Saloon (alles in einer Hand). Auf guter Straße erreichen wir das Zentrum der „Alaska-Acht“ - Tok. Nach diversen Erledigungen fahren wir noch bis Delta Junction. Hier endet offiziell nach 1.450 Meilen der „Alaska Highway“. Am Visitor Center übernachten wir und sparen mal wieder die Campinggebühr. Bei tollem Blick auf die „Alaska Range“, und bei laufendem Motor eines amerikanischen Campers (wird nur über Nacht abgestellt) genießen wir den sonnigen Morgen (ich war sauer). Vorbei an der „Alaska-Pipeline“, eine Ölleitung von Valdez im Süden bis Prudhoe Bay im Norden, erreichen wir North Pole (24 km vor Fairbanks). Hier lebt der Weihnachtsmann, den Michi unbedingt kennen lernen will. Danach geht’s zum „Pizza Hut“ und weiter nach Fairbanks, dem nördlichsten Punkt unserer Reise. Alaskas zweitgrößte Stadt hat 33.000 Einwohner und nicht sehr viel zu bieten. Eine Mischung aus Alt und Neu prägt das Stadtbild. Für mich gilt es vor allem, die nächsten Tage zu planen. Mein Kopf ist beherrscht von einem Wort: DENALI – Der Große ! Das Wetter ist (noch) gut, Eile ist angesagt. So fahren wir am nächsten Tag 196 km bis zum „DENALI Nationalpark“. Eine Elchkuh mit Kalb grast in der Ferne, ein friedlicher Anblick.
Der 10. August wird sicherlich ein besonderer Tag unter den vielen Tagen unserer langen Reise bleiben. Um 4:15 Uhr klingelt der Wecker. Um 5:30 Uhr startet der Shuttle-Bus in den Park, denn mit dem eigenen Fahrzeug ist nach 20 km Schluß. Auf einmal bleiben wir auf einer Brücke stehen und wundern uns über die Fotografen, die mit Ihrem Tele-Fernrohr auf dem Pick-up stehen. Dann sehen wir in der Ferne eine Grizzly-Mutter übe den Felshang ins Flussbett springen. Das Grizzly-Baby folgt mit schnellen, kurzen Schritten. Was dann geschieht hätte ich nicht für möglich gehalten. Die Grizzly-Mutter nähert sich mit rasantem Schritt der Brücke. Das Grizzly-Baby hat sichtlich Mühe der offensichtlich beunruhigten Grizzly-Mutter zu folgen. Ein unbeschreibliches Gefühl durchströmt den Bus, als die Beiden unter uns die Brücke unterqueren und auf der anderen Seite wieder auftauchen. Ein Raunen geht durch den Bus als die massige Grizzly-Mutter erneut in das Flussbett springt und wir das Ausschütteln des nassen Fells hören können. Das tapsige Grizzly-Baby traut sich nicht, läuft stattdessen zu den Fotografen, die darauf in das Innere des Pick-ups flüchten. Wir sehen den Beiden noch ein paar Minuten nach, wie sie im breiten Flussbett am Horizont verschwinden. Michi hat sich bis Nachmittag wieder beruhigt.
Um es kurz zu machen: Wir dürfen an diesem Tag 6 Grizzlys (zweimal Mutter mit Kind, einen Gras fressenden und einen sich aufstellenden) und zahlreiche Karibus (einer vor uns mitten auf der Straße) und einen „Arctic Ground Squirrel“ (Mischung aus Eichhörnchen und Maulwurf) bestaunen.
Vom „Eielson Visitor Center“ (ca. 100 km im Park) bin ich dann erneut aus dem Häuschen. Die zerklüfteten, verschneiten Gipfel des DENALI und seine zahlreichen Gletscher liegen wolkenfrei vor uns. Vielleicht 50 km trennen uns vom Gipfel. Die gewaltige Größe und der Höhenunterschied von 5.500 Metern erinnern mich an den Himalaya. DENALI bedeutet nach der indianischen Bezeichnung „Der Hohe“. Der höchste Berg Nord-Amerikas (6.194 Meter) wird nach dem ehemaligen Präsidenten McKinley benannt.
Am Abend gebe ich mich als Park-Ranger aus, um das „japanisch“ laufende Wohnmobil ruhig zu stimmen. Es hält an, bis der richtige Ranger auftaucht.
In der Nacht kommt ein Regentief, das bis Anchorage anhält. So fahren wir in zwei Tagen in die größte Stadt Alaskas. Am Byers Lake übernachten wir, und ich wandere im Regen in zwei Stunden um den See. Andreas
Route: Dawson, Tok, Delta Junction, Fairbanks, DENALI-NP, Anchorage
14.08. bis 06.09.03 9.960 bis 13.370 km
Anchorage
Es regnet und regnet. Wir sind in Anchorage. Wir besuchten zunächst das etwas zu klein geratene „Visitor Center“, um uns nach einem geeigneten „Campground“ zu erkundigen. Da die Stadtpläne vom Infocenter irgendwie nicht mit den Straßen von Anchorage übereinstimmen, verfuhren wir uns x-mal. Da unsere Hilflosigkeit nicht zu übersehen war, kam eine freundliche Alaskanerin auf uns zu, um uns zu helfen. Sie schaute sich den Stadtplan einmal von links nach rechts an, dann wendete sie anschließend das Blatt. Schaute wieder von rechts nach links und schüttelte den Kopf. Das ging so ca. 5 Minuten. Sie meinte dann nur, wir sollen hinter ihrem Auto nachfahren, sie zeigt uns den Weg, weil es zu kompliziert sei ,es zu erklären. Wir fanden es unheimlich nett von ihr. Wir fuhren quer durch Anchorage, über x-tausend Ampeln. Leider hat die Arme ihre Handtasche auf ihrem Autodach liegen lassen. Die Tasche rutschte hin und her. Wir machten Zeichen, aber sie bemerkte es nicht. Nach einer guten halben Stunde (!!!) waren wir am Ziel. Die Tasche lag zum Glück auch noch auf ihrem Autodach. Wir bedankten uns herzlich. Sie strahlte nur. Wir treffen immer mal wieder auf so nette Menschen, die uns behilflich sind, egal, was es für Zeit kostet. Ich muß an uns in Deutschland denken und frage mich, ob wir so was machen würden. Hilflose Touristen mal eben quer durch die Stadt zu lotsen, auch wenn es soviel Zeit in Anspruch nimmt. In Calgary z.B. guckten wir nur rein informativ in einen Stadtplan, und schon kam jemand an und fragte uns, ob er uns helfen könnte. Aber auf etwas Positives kommt auch etwas Negatives. Wir finden es langsam ziemlich nervig, daß wir mindestens dreimal am Tag gefragt werden, wo wir herkommen, wie das Auto hierher kommt u.s.w. Sie finden unser kleines Auto so toll. Hier fahren ja viele mit großen Bussen rum, mit richtigen Couchgarnituren und Einbauküchen. Wir saßen mal abends in unserem „Womo“, und schon liefen drei Leute um uns rum. Ich kam mir vor wie in einem Affenkäfig im Zoo. Vielleicht sollten wir Besichtigungstouren durchführen. Vorne rein, hinten raus, mit Eintritt natürlich.
Außerdem wird jeder der im Supermarkt an der Kasse steht erstmal gefragt: „Hallo, wie geht’s.? War alles O.K.? Hat der Einkauf gut geklappt ? “ u.s.w. Dieser Smalltalk nervt langsam. Überall, nicht nur im Supermarkt, werden die Leute erstmal gefragt, wie es einem geht, bevor man irgendwas bestellt oder etwas fragen will.
In Anchorage besuchten wir den Beluga-Wal Aussichtspunkt. Wir hatten Glück. Wir sahen einen vorbei schwimmen. Aber er war leider zu weit weg, um ihn zu fotografieren.
Nachdem wir Anchorage ausgiebig besichtigt haben, Museum, Einkaufsmall etc. fuhren wir auf die Kenai-Halbinsel. Es dauert keine 10 Minuten von Anchorage, und man ist wieder in der herrlichen Landschaft von Alaska. Leider regnete es ununterbrochen, und die schönen Berge ringsherum waren in den Wolken. Trotzdem besuchten wir den „Portage Glacier“. Leider sah man ihn kaum, wegen den Wolken.
Auf dem Weg nach Homer sahen wir noch ein Elchpärchen im Wald stehen, Fischer beim Lachs angeln und eine ehemalige russische Kirche. Wunderschöne Seen und viel Wald.
Homer
Homer, die südlichste Stadt von der Kenai-Halbinsel, ist eine kleine Fischerstadt mit Rundumblick auf die Berge. Dort machten wir erstmal einen tollen Strandspaziergang und gingen ein wenig „shoppen“. Von Homer kann man viele Ausflüge mit Schiff buchen, war uns aber alles zu teuer. Da Homer die Stadt mit dem größten Heilbutt vorkommen ist, wollten wir natürlich abends Fisch essen gehen. Leider passten die Preise nicht ganz zu unserer bescheidenen Reisekasse (Essen ab $16,-- und aufwärts). Also kauften wir uns selber einen frischen Heilbutt, Kartoffeln und Weißwein. Wir parkten „Speedy“ so, daß wir den Blick auf´s Wasser hatten. Der Fisch schmeckte grandios. Zu der tollen Aussicht auf dem Strand mit Meeresrauschen gesellte sich noch ein Akkordeonspieler. Er machte ein kleines Lagerfeuer und spielte alte Seemanns Lieder. Was braucht man mehr ??
„Speedy“ war an dem Abend das tollste Fisch-Restaurant weit und breit. Nach dem Essen gesellten wir uns zu dem Akkordeon Spieler. Es dämmerte. Das wärmende Lagerfeuer, das Meeresrauschen, der Akkordeon Spieler, wir waren einfach nur glücklich und zufrieden. Es wurde spät. Nachts um 1:00 Uhr sahen wir am Himmel die hellen Lichtschattierungen, die Nordlichter. Man sagte uns, daß man sie im Winter noch besser sehen würde, aber da wir nicht bis Winter warten können und der Wein auch leer war, gingen wir dann endlich ins Bett.
Am nächsten Tag kauften wir dann mit Brummschädel und kleinen Augen frischen Fisch als Vorrat. Wir hatten leider keine Zeit zum selber angeln.
Seward
Auf dem Weg Richtung Seward machte es dann einen Knall. Genauer gesagt in Sodotna. Peng ! Mist ! Die Windschutzscheibe war kaputt. Ein Stein war der Übeltäter. Es war eine stinknormale Straße, keine Schotterpiste und der Abstand vom vorher fahrenden Auto war groß. Woher kam der Stein? Die Risse werden immer größer. Wir sind dann mal eben kurz bei 5 Autoglasern vorbei gefahren, ob die uns eine neue einbauen oder die alte reparieren könnten. Aber Fehlanzeige, keiner konnte uns weiterhelfen. Was nun? Zum Glück trafen wir Kollegen aus Deutschland mit dem gleichen Problem, die beruhigten uns. Sie fahren jetzt seit 8 Monaten mit der kaputten Scheibe rum, und es passiert nichts. Sie lassen es erst wieder in Deutschland reparieren, weil der Kosten und Zeitaufwand sich nicht lohnen würde. Erst jetzt fällt uns auf, daß hier mindestens jedes dritte Auto einen Glasschaden hat. Wir fallen also gar nicht auf.
Trotz dem miesen Wetter und der kaputten Windschutzscheibe blieb unsere Laune gut. Wir besuchten die Lachse beim Laichen.
Das war ein absolutes Spektakel. In den Flüssen Alaskas tummeln sich alljährlich Tausende von Lachsen. Um zu laichen, kehren sie an Ihre Geburtstätte zurück. Im flachen Wasser buddeln sie mit ihrer Schwanzflosse eine Grube, wo sie anschließend Ihre Eier reinlegen. Dann wird die Grube wieder mit Kies zugeschüttet. Nach diesem Vorgang sterben sie. Im nächsten Jahr schlüpfen dann wieder kleine Lachse.
Die Bären haben da natürlich leichtes Spiel. Die Lachse schwimmen ja fast auf dem „Trockenen“. Wir haben aber leider keine gesehen. Nur ein Fußabdruck vom Bär zeigte uns, daß wir nicht allein sind.
Wir besuchten den „Exit Glacier“ nahe bei Seward. Man konnte wieder dicht an den Gletscher heran gehen. Trotz dem dunklen Wetter schimmerte das Eis in einem schönen Blau. Auch hier leben Bären, ich habe es an den Fußabdrücken gesehen, die im ausgetrocknetem Flussbett waren. Mittlerweile kann ich Seminare halten, wie man sich einen Bären gegenüber verhält. Aber ob es in der Realität wirklich nützt? Auf alle Fälle fühle ich mich sicherer. Nachdem ich in fast jedem „Visitor Center“ einen ca. drei Meter großen, ausgestopften Bär gesehen habe, kaufte Andi mir eine kleine Bärenglocke. Die soll angeblich den Bären rechtzeitig vor uns warnen. (Ich hätte mir ja lieber eine Kuhglocke umgebunden, aber die gibt es hier nicht).
Nach dem Besuch von Seward sahen wir zum ersten Mal einen Weißkopfseeadler, direkt neben der Straße.
Valdez
Über Anchorage zurück ging es weiter Richtung Valdez. Zwischendurch besuchten wir noch eine Moschusochsen-Farm. Die Straße nach Valdez soll bei schönen Wetter gigantisch sein, leider macht auch hier das Wetter zeitweise nicht mit. Man merkt, es wird langsam Herbst. Die Temperaturen fallen runter auf 10 Grad. In Valdez wollten wir eigentlich eine Fahrt in den Prince William Sound unternehmen, aber das Wetter war so schlecht (Nebel und Regen), daß sich der teuere Preis für diese Fahrt nicht gelohnt hätte. Wale können wir auch noch in Argentinien beobachten. Wir fuhren am nächsten Tag zurück. Der permanente Verwesungsgeruch von Fisch hing uns Tag und Nacht in der Nase. Wir hatten bis jetzt keine Tiere mehr gesehen, deshalb freute es uns umso mehr, als wir in der Nähe von Slana (Dorf mit 2 Häusern) eine Schwarzbärenmutter mit Kind beim Fressen beobachten konnten. Leider nur mit Fernglas.
Das schlechte Wetter zerrte an unseren Nerven. Wir konnten kaum etwas unternehmen. Nur kurze Gänge. Wir wollten nicht krank werden. Wir hielten uns viel in unserem Womo auf. Andi hat größere Probleme mit der Enge des Womos, als ich. Er fühlt sich eingesperrt und mosert wegen Kleinigkeiten. Es ist ziemlich nervig, hoffentlich wird es wieder besser.
wieder in Tok
In Tok kauften wir erstmal ein, und Andi kam bei mir mal wieder unter´s Messer. Seine krausen Haare, die wie Unkraut wachsen, kamen Stück für Stück runter.
Die Nacht in Tok war schlimm. Eichhörnchen machten auf unserem Dach Party. Vielleicht standen wir auch auf ihr Haus und merkten es nicht, jetzt waren sie sauer.
Haines
In Beaver Creek überkehrten wir mal wieder die Grenze. Wir waren wieder in Canada. Am Kluane Lake beobachten wir Dallschafe am Berg. Dann tauchten wir in die Vergangenheit ein und besuchten die Geisterstadt Silver City. Vier gut erhaltene Holzhaus-Ruinen lassen erahnen, wie es hier damals ausgesehen hat. Es kostete kein Eintritt, und das Tolle war, daß wir ganz alleine waren. Wir lauschten den Wind der durch die Häuser pfiff, bis es uns zu unheimlich wurde und wir weiter fuhren.
In Klukshu Village, einem Indianer-Sommercamp neben der Straße, aßen wir zum ersten mal Bannok. Bannok ist ein einfach herzustellendes Gebäck in Fett gebraten. Die alte Indianerin erklärte uns das Rezept. Es schmeckte gut. Sie wollte nicht, daß man sie fotografiert, was wir natürlich akzeptierten.
Am Kathleen Lake wollten wir einen Spaziergang machen. Aber ein Angler machte uns darauf aufmerksam, daß vor 2 Minuten eine Schwarzbärenmutter mit zwei Kindern hier lang spazierte. Wir suchten einen anderen Platz für den Gang.
Haines und Andi in Gefahr
In Haines angekommen wurde uns erstmal von der Dame im „Visitor Center“ erzählt, daß in der Nähe vom „Campground“ eine Grizzly-Mutter mit drei Kindern fischt. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Man sagte uns, daß sie pünktlich abends um 19:00 Uhr und morgens um 6:00 Uhr aus dem Wald kommt und fischt. Ich war so nervös, daß ich die harten „After Eight“ (wahrscheinlich waren die noch aus der Goldrauschzeit) aß. Als wir an dem Platz ankamen, waren dort schon mindestens 30 Autos und 10 Angler. Wir warteten geduldig. Bisher war noch nichts zusehen, es war 18:45 Uhr. Um 19.15 Uhr wurden wir langsam ungeduldig. Warten ist nicht unsere Stärke. Wir suchten das Ufer ab. Da, plötzlich tauchte ein Kopf auf. War das die Mutter? So klein? Da noch ein Kopf und noch einer. Es waren die drei Kinder, gefolgt von der riesigen Mutter. Aber was machen die Angler? Anstatt ihre Sachen zusammen zupacken und sich in Sicherheit zu bringen, blieben sie in aller Seelenruhe im Wasser stehen und angelten weiter. Die Leute am Ufer benahmen sich unmöglich. Da rief z.B. eine Frau aus ihrem Wohnwagen nach ihren Kindern: „Kinder kommt rein, der Fisch ist fertig“ oder ein Kind schrie: “Mama, ich will zu den Bären. Ich geh auch nur bis zur Flußmitte“ Die Mutter erlaubte es. Will sie ihr Kind loswerden? Die Leute am Ufer machten einen riesigen Krach. Ich wollte am liebsten schreien: „Hallo Leute! Aufwachen! Wir sind hier nicht in einem Streichelzoo. Nein, hier läuft gerade ein wildes Tier. Ein Grizzly! Schon mal was davon gehört? Also, seid still und beobachtet.“ Ich habe eigentlich nur darauf gewartet, daß jetzt Grillbuden mit Fisch und Biertheken aufgebaut werden. Es war schlimmer wie auf dem Oktoberfest. Da rannten Kinder und Hunde hin und her, schrien durcheinander. Auch viele Kleinkinder. Sie wollen den Bären streicheln. Die Autos machten auch Krach. Einige kamen, andere fuhren. Die einen hupten. Es war schrecklich. Wie kann man nur so leichtsinnig und dumm sein.
Jetzt ist mir auch klar warum es trotzdem zu Unfällen kommt. Schlagzeilen wie: „Aggressiver Bär greift Menschen an und musste erschossen werden.“ Wie diese Leute sich benehmen, muß es zu Unfällen kommen. Das die Bärenmutter nicht nervös wurde, ist ein Wunder. Sie hatte nur den Lachs im Kopf. Nachdem sie sich satt gegessen hatte, verschwand sie wieder mit ihren Kindern im Wald.
Wir wollten am nächsten Tag unbedingt wieder dabei sein, wie die Bären fischen. Also übernachteten wir auf den 200 Meter entfernten „Campground“ und stellten den Wecker auf 5.00 Uhr. Am nächsten Tag fiel uns das Aufstehen leicht. Wir freuten uns auf die Bärenfamilie. Nicht jeder bekommt so ein Ereignis zu Gesicht. Es wurde langsam hell. Am Platz standen wieder Autos, aber nicht so viele wie gestern abend. Es waren auch keine Kinder und keine Angler in Sicht. Pünktlich wie die Maurer kamen dann alle vier aus dem Wald. Sie müssen eine tolle innere Uhr haben. Wir stiegen aus unserem Auto aus (Ja, sogar ich traute mich!). Andi und fünf andere konnten es nicht lassen und gingen näher zu ihnen ran. Nur der flache Fluß trennten sie von den Bären. Ich hielt mich ca. 10 Meter rechts vom Auto auf, als ich vor mir am Ufer, auf unserer Seite, einen riesigen Grizzly sah. Er marschierte geradewegs in Richtung Andi. Ich war wie hypnotisiert. Komischerweise hatte ich in dem Moment keine Angst. Ich bekam auch keinen hysterischen Anfall oder fiel in Ohnmacht. Nein, ich blieb ganz ruhig. Mir fiel Andi ein. Andi war so fixiert auf die kleinen Bärenkinder, daß er sich nicht umschaute. Viele Büsche waren am Ufer und versperrten die Sicht auf den Bär. Andi war ca. 50 Meter links vom Auto entfernt. Ich musste was tun. Nur was? Ich konnte ja nicht schreien. Andi war in Gefahr. Der Bär war schnell. Ich ging zum Auto immer mit Blick auf den Bär. Mir viel nur noch die Lichthupe ein. Lichthupe ein, aus, ein, aus. Mist, er merkt nichts. Er ist immer noch so fixiert auf die Bärenkinder. Ich bekam fast eine Herzattacke. Zwischen Andi und dem Bär war auch noch ein kleiner Felsen. Er kann ihn nicht sehen. Das heißt also, wenn der Bär um den Felsen kommt, werden sich beide erschrecken. Dann gibt es eine Rauferei, der Gewinner steht jetzt schon fest. Da, endlich hat er mich bemerkt. Der Bär war jetzt ca. 20 Meter von ihm entfernt. Ich sprang aus dem Auto, haute mir das Knie noch am Lenkrad an und machte dann Zeichen. Ich sah aus wie ein Hampelmann. Endlich sah er den Bär. Da half nur noch beten. Der Bär blieb kurz vor dem Felsen stehen und holte sich einen Lachs. Er aß ihn genüsslich im Liegen. Aber, was macht Andi? Anstatt die Gelegenheit zu nutzen, um sich aus dem Staub zu machen, mussten erst noch Fotos geschossen werden. Ich war kurz davor ein Schreianfall zu kriegen. Der Bär war nervös. Kein Wunder! Nur der Felsen trennte Mensch und Tier. Andi war wie hypnotisiert und machte Fotos ohne Ende. Da, der Bär hörte was, stellt sich auf, um besser zu sehen. Er war über zwei Meter. Ich dachte nur: „So, das hast du jetzt davon. Jetzt wird dich der Bär angreifen.“ Aber es passierte nichts. Er holte sich einen weiteren Fisch aus dem Fluß. Er griff nur kurz rein. Wahnsinn!
Meine Nerven waren am Ende. Dann bog er um den Felsen. Andi und die anderen haben sich anscheinend versteckt. Nach einiger Zeit war der Bär nicht mehr zu sehen. Andi kam auf die Straße und unterhielt sich. Er wollte anscheinend noch mal nach den Bären schauen. Plötzlich überquert der Bär im Galopp die Straße. Der Bär war nervös und hatte Angst. Mein Herz blieb für Sekunden stehen.
Als wir zurück zum „Campground“ fuhren, bekam Andi erstmal einen riesigen Anpfiff von mir. Ich musste mich abreagieren, obwohl ich weiß, daß es nichts bringen wird. Er und die anderen haben sich unmöglich benommen. Er hat es dann auch eingesehen. Er meinte nur, er konnte nicht anders. Der Bär hat ihn so fasziniert. Wir waren zwei Tage in Haines. Morgens und abends haben wir die Bären beobachtet. Einmal war sogar noch eine Mutter da, ebenfalls mit drei Kindern. Da war ganz schön was los. Der reinste Bären-Kindergarten. Kaum zu glauben, daß ich vor unserer Reise einen Horror vor den Bären hatte und sie jetzt zu meinen Lieblingstieren gehören. Sogar ein Poster hängt jetzt in unserem Womo. Die Bären strahlen eine unheimliche Ruhe und Gelassenheit aus. Ich könnte sie stundenlang beobachten. Tierfilm live. Ich freue mich schon auf Hyder, wo man angeblich ebenfalls Bären beim Fischen beobachten kann.
In Haines sind wir dann mit einer Fähre nach Skagway gefahren.
Skagway
Skagway hat mich sehr an Dawson City erinnert. Hier wurden auch alte Gebäude restauriert und neu aufgebaut. Aber alles sehr touristisch. Ist auch kein Wunder. Hier halten täglich drei oder vier riesige Kreuzfahrtschiffe. Nachdem wir den alten Goldgräber-Friedhof, eine alte Goldmine und den Saloon besuchten, ging es weiter auf dem berühmten „Chilkoot Trail“. Auf diesem Trail gingen Ende des 19. Jahrhunderts die Goldsucher bis zum Klondike. Wir gingen nur ein kleines Stück. Auch hier gibt es Bären. Meine Nerven waren seit den letzten Bärenbeobachtungen noch nicht ganz fit. Ich wollte hier und jetzt keinem begegnen.
Die Straße von Skagway nach Watson Lake ist Genuß pur. Sie führt direkt neben der alten Eisenbahnlinie über den „White Pass“ nach Kanada. Die Landschaft ist grandios. Ich will gar nicht mehr weiterreisen. Ich will hier bleiben.
Carcross
Die Fahrt führte uns nach Carcross, wo die kleinste Wüste der Welt zu besichtigen ist. In der Tat, man glaubt es kaum, gibt es hier zwischen Bergen und Seen große Sanddünen.
Mittlerweile fängt auch in Kanada der Indian-Summer an. Die Bäume haben ihr buntes Blätterkleid angezogen. Sie strahlen um die Wette. Der eine Baume in rot, der andere in gelb. Einige können sich noch nicht entscheiden und sind dreifarbig.
Ich habe mich entschieden. Ich zieh mein Nachthemd an und geh ins Bett. Es ist schon spät. Michaela